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	<title>Open Mind Culture</title>
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	<title>Open Mind Culture</title>
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		<title>Wandeln im Licht der Nacht, Fuchs in Berlin, Kältestrahlen-Fotografie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 16:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[fotografie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leerstände, Lampen, Straßen und Tankstellen als ungewöhnlich Motive in der Kunst und wie die Popkultur den Fuchs verniedlicht</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6584/wandeln-licht-nacht-kritische-fotografie-fuchs-kaeltestrahlen/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Wandeln im Licht der Nacht, Fuchs in Berlin, Kältestrahlen-Fotografie&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>
<h2>Der Fuchs</h2>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-7159 size-full" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/realfox-closeup.png" alt="" width="464" height="341" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/realfox-closeup.png 464w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/realfox-closeup-300x220.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/realfox-closeup-100x73.png 100w" sizes="(max-width: 464px) 100vw, 464px" />Ich war nicht überrascht, einen Fuchs in Berlin zu sehen. Ehrlich gesagt erhoffte ich eine weitere Begegnung sogar. Aber an einer belebten Straße zwischen dem Bahnhof Zoo und der Universität der Künste an einem frühen Frühlingsabend hätte ich am wenigsten damit gerechnet.</p>
<h2>Trügerischer Großstadtdschungel</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/4733/wandern-bei-nacht-gestaltete-buecher-lesetipps/">Als ich Wandern bei Nacht las</a>, ein Buch von John Lewis-Stempel, war ich fasziniert von der ländlichen Umgebung und seiner Liebe zum Detail, zur Natur und zur Poesie. Unser sogenannter &#8222;urbaner Dschungel&#8220; ist urban und ein Habitat unwahrscheinlicher Lebewesen. Bloß ist es kein Dschungel und auch kein natürliches Ökosystem.</p>
<h2>Fuchs-Verniedlichung</h2>
<h2><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/cutiefying-fox-book-covers.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-7391 " src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/cutiefying-fox-book-covers.jpg" alt="verniedlichte Fuchs-Fotos auf Buchtiteln" width="361" height="482" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/cutiefying-fox-book-covers.jpg 600w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/cutiefying-fox-book-covers-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/cutiefying-fox-book-covers-75x100.jpg 75w" sizes="(max-width: 361px) 100vw, 361px" /></a></h2>
<p>Den Fuchs hat unsere Kultur auf eine kluge und süße Figur reduziert. Ein traditionelles Volkslied betont hingegen seine Rolle als Raubtier, das Gänse jagt. In Wirklichkeit ist der Fuchs weniger ein verspielter Stadtbummler, sondern vielmehr ein aus der Not in eine gefährliche Umwelt getriebenes Tier. Würden Füchse Drogen nehmen und anfangen zu betteln, hätten sie ihre Beliebtheit schnell verspielt. Aber ich denke, das wäre ihnen wohl egal.</p>
<h2>Mangelndes artübergreifendes Mitgefühl</h2>
<p>Die menschliche Doppelmoral wird wieder und wieder diskutiert, sobald wilde Tiere an unerwarteten Orten für Schlagzeilen sorgen. Die Menschen haben Mitleid mit einem verirrten Wal, aber nicht mit einem Wolf, der ihr Vieh reißt, oder einem Wildschwein, das ihren Garten umgräbt.</p>
<p>Hunde und Tauben gehören zu den wenigen städtischen Tieren, die polarisieren. Was sind sie? liebe Freunde, Symbole des Friedens, oder gezähmte Kreaturen ohne natürlichen Lebensraum, die herumlungern und Dreck, Ärger und Lärm machen? Aus mangelnder artübergreifender Empathie neigen Stadtbewohner dazu, Tiere zur Projektionsfläche ihrer eigenen Hoffnungen und Ängste zu machen.</p>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-7269 " src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station.jpg" alt="" width="463" height="309" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station.jpg 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station-300x200.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station-768x513.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/blue-night-gas-station-100x67.jpg 100w" sizes="(max-width: 463px) 100vw, 463px" /></a></p>
<h2>Kältestrahlen-Fotografie</h2>
<p>Hier ist ein Bild einer neonbeleuchteten Tankstelle, das ich kürzlich im Vorübergehen machte. Ihr blaues Licht erinnerte mich an eine <a href="https://www.filmwerkstatt-duesseldorf.de/horst-ademeit-eine-dokumentarische-praxis/" target="_blank" rel="noopener">Kunstausstellung</a>, die vor einigen Jahren, damals noch in Düsseldorf, auf das Lebenswerk des wenig bekannten Künstlers <a href="https://www.moussemagazine.it/magazine/horst-ademeit/" target="_blank" rel="noopener">Horst Ademeit</a> zurückblickte. Seine zahlreichen Polaroid-Bilder, in kleinsten Buchstaben akribisch beschriftet mit ausführlichen Beschreibungen detaillierter Beobachtungen, dokumentieren das moderne Stadtleben jenseits traditioneller fotografischer Motive.</p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Ademeit_(K%C3%BCnstler)" target="_blank" rel="noopener">Ademeit</a> war fasziniert vom Konzept der Kältestrahlen. Vielleicht kennst du das Gefühl, dass die Berührung eines kalten Heizkörpers der Hand und ihrer Umgebung scheinbar Wärme entzieht. Wir sprechen auch von &#8222;kaltem Licht&#8220; und meinen damit Neonlicht, LEDs und Blautöne im niedrigen Frequenzbereich des sichtbaren Farbspektrums. Kerzen und Glühbirnen werden hingegen heiß und strahlen in wärmeren Farbtönen wie orange, gelb und rot, denen physikalisch das unsichtbare warme Infrarot folgt. Da erscheint es nur logisch, dass es eine Art unsichtbarer ultravioletter Kältestrahlung geben könnte. Obwohl die moderne Physik das seit langem wissenschaftlich wiederlegte, behält es eine poetische Wahrheit. So wie die vordergründig falsche Furcht von Verschwörungstheoretikern vor Chemtrails berechtigte Kritik enthält, gibt es Gründe, die blau leuchtenden Tankstellen zu kritisieren, und sei es bloß wegen der Lichtverschmutzung.</p>
<h2>Fake-Polaroid Hommage</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/fake-polaroid-shadow-less.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-7274 " src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/fake-polaroid-shadow-less.png" alt="" width="423" height="508" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/fake-polaroid-shadow-less.png 608w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/fake-polaroid-shadow-less-250x300.png 250w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/fake-polaroid-shadow-less-83x100.png 83w" sizes="auto, (max-width: 423px) 100vw, 423px" /></a>Als Hommage an den Künstler wollte ich ein Fake-Polaroid erschaffen. Ich habe es versucht und bin gescheitert, oder vielleicht auch nicht. Hier ist eines meiner Failed Fakes mit einem echten Foto darin. Ähnliche Bilder habe ich an der Badezimmerwand einer Hotelkette gesehen, deren Mischung beliebter und unkonventioneller Sehenswürdigkeiten und Momente die Atmosphäre einer analogen Fotowand in einem Airbnb oder in der Wohnung eines Freundes nachempfinden wollte. Hinter der kitschigen Werbeästhetik können wir auch in diesem Werk eine Kritik an der Lichtverschmutzung entdecken.</p>
<h2>Von Düsseldorf nach Berlin</h2>
<p>Ich habe früher in Düsseldorf gelebt, wo Horst Ademeit seine künstlerische Auseinandersetzung mit Kältestrahlen verfolgte. Nun lebe ich seit einigen Jahren in Berlin und beobachte meine Umgebung gleichermaßen als Einheimischer als auch als interessierter Fremder. Ich habe nicht alle der künstlerischen Kritzeleien entziffert, und ich weiß nicht, was sich der Fuchs gedacht hat. Ich weiß nur, was ich selbst sehe, wenn ich nachts durch die Straßen Berlins gehe.</p>
<h2>Dunkle Seite der Gentrifizierung: beleuchtet aber unbewohnt</h2>
<p>Kaltlichtverschmutzung ist ein Zeichen der Urbanisierung, nicht der Gentrifizierung. Das Neukölln der Vergangenheit war weniger beleuchtet, berichten Nachbarn, die hier aufgewachsen sind. Die Tankstelle könnte irgendwo sein, sogar in einem Dorf. Doch die dunkle Seite der Gentrifizierung zeigt sich in den Läden und Veranstaltungsorten, die in den letzten Jahren für immer ersatzlos schließen mussten.</p>
<h2>Urbaner Verfall, tote Innenstädte</h2>
<p>The Future Sound of London, ein Projekt elektronischer Musiker, veröffentlichte einst ein Album mit dem Titel Dead Cities. Musik, Songtexte und Covergestaltung lassen sich als ein Parallelprojekt betrachten, das kritische Beobachtung in ein ästhetisches Kunstwerk verwandelt.</p>
<p>Urbaner Verfall kann eine morbide Ästhetik entwickeln. Kaltes Licht erinnert vielleicht an Ozeane, Disco-Nächte oder an die Polizei. Aber beleuchtete Leere zeigt bloß, wo unsere Gesellschaft versagt. Beleuchtete Leere ist einfach nur leer.</p>
<h2>Digitale Kunst und kritische Fotografie</h2>
<p>Obwohl es heißt, Künstler sollten Wut in Blumen verwandeln, bleibt die Begrünung des Stadtbilds oft mühsam und vergeblich. Ich habe einmal mitbekommen, wie der Begriff „kritische Fotografie“ fälschlicherweise als eine eher abstrakte oder moderne Stilllebenfotografie verstanden wurde, wenn auch mit einem kritischen Unterton. Das ist genau die Art subtil kritischer Fotografie, die ich in Ademeits Polaroids erkenne, und ein Stil, den ich in Zukunft selbst gerne weiter erforschen möchte.</p>
<h2>Zukünftige Fotografie- und Kunst-Inspiration</h2>
<p>Ich fühle mich dazu inspiriert, noch mehr Details des städtischen Lebens festzuhalten, die von der Mainstream-Kultur oft übersehen werden. Aber zunächst möchte ich noch einige digitale Kunstwerke teilen. Das einzige vorzeigbare KI-Kunstwerk aus einer surrealen Fuchs-Serie zeigt den nächtlichen Wanderer in einem spukhaften Walde. Inspiriert vom britischen Buchcover von John Lewis Stempels Wandern bei Nacht, Nightwalking, und von klassischen Computerspielen, bezieht es zufällige Elemente wie die unregelmäßigen Formen auf dem Weg künstlerisch mit ein. Bei näherem Hinsehen passen die Details nicht zusammen, aber doch gefällt mir die Gesamtkomposition.</p>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7270 size-full alignnone" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery.jpg" alt="" width="1000" height="420" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery.jpg 1000w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery-300x126.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery-768x323.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/surreal-night-forest-fox-scenery-100x42.jpg 100w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></p>
<p>Zu guter Letzt zeige ich noch ein weiteres KI-Kunstwerk. Als Kontrast zur selben surrealen Blaulicht-Schauerlichkeit ist ein brennender Dinosaurier zu sehen, der bis auf sein Skelett heruntergebrannt ist. Fragt mich nicht, was das bedeuten soll. Ich bin bloß ein Hobbykünstler, der Zufälle dankbar annimmt und versucht, seine Wut in Kunst zu verwandeln, mit oder ohne Blumen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7164" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/dinosaur-burn-erasure-ai-art.png" alt="" width="390" height="520" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/dinosaur-burn-erasure-ai-art.png 390w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/dinosaur-burn-erasure-ai-art-225x300.png 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/04/dinosaur-burn-erasure-ai-art-75x100.png 75w" sizes="auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px" /></p>
<p dir="ltr">
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Überwachungs-Dystopie-Thriller: The Dream Hotel von Laila Lalami</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6597/ueberwachungs-dystopie-thriller-the-dream-hotel-von-laila-lalami/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 08:46:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur - Bücher - Filme]]></category>
		<category><![CDATA[buch]]></category>
		<category><![CDATA[dystopia]]></category>
		<category><![CDATA[ki-kritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spoilerfreie Buchbesprechung: The Dream Hotel von Laila Lalami, literarische Ästhetik und subtile Macht-Dystopie.</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6597/ueberwachungs-dystopie-thriller-the-dream-hotel-von-laila-lalami/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Überwachungs-Dystopie-Thriller: The Dream Hotel von Laila Lalami&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-6604" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/dream-hotel-laila-lalami-orange-lamp.jpg" alt="The Dream Hotel by Laila Lalami: book cover and orange lamp on a glass table near a sinister woodcarving to illustrate my personal review of this novel." width="360" height="480" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/dream-hotel-laila-lalami-orange-lamp.jpg 698w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/dream-hotel-laila-lalami-orange-lamp-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/dream-hotel-laila-lalami-orange-lamp-75x100.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" />Das Buch beginnt wie eine Kurzgeschichte, ein Erwachen in einer unerwarteten Situation. Mit dem gespannten Umblättern der ersten Seite &#8222;hast du schon den allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt,&#8220; so schreibt sinngemäß die Autorin, Laila Lalami, ihre unheimliche Einleitung. Sicherheit, Überwachung, Warten und Träume: worum geht es in diesem dystopischen Buch genau? Eine Rezension.</p>
<h2>Das Dream Hotel als realistische Dystopie</h2>
<p>Ich habe in diesem Blog schon einige andere <a href="https://www.open-mind-culture.org/387/dystopien-und-fantastische-literatur-als-gesellschaftskritik/">dystopische</a> und <a href="https://www.open-mind-culture.org/696/zukunftsromane-ki-post-privacy-post-identity/">Near-Future-Fiction</a>-Bücher besprochen und empfohlen. The Dream Hotel ist der realistischste und treffendste dystopische Roman, den ich bisher gelesen habe. Es ist nicht einfach, so eine bewegende Gesichte zu besprechen ohne bereits diskutierte Gedanken zu wiederholen oder zu viel zu verraten. Eine Triggerwarniug ist jedenfalls kein Spoiler. Wer Thriller nicht gewöhnt ist, sollte diesen vielleicht auch nicht lesen. Aber dann verpasst du seine surrealen Traumszenen, emotionale Krisen, Liebe und Freundschaft. Das klingt jetzt aber banaler als es sich liest.</p>
<p>Die Traumhotel-Geschichte wurde letztes Jahr zum beliebten US-Bestseller. Das Buch lässt sich auch als Kommentar der gegenwärtigen politischen Lage verstehen, wie <a href="https://medium.com/@jasminemooney/youre-not-a-criminal-but-you-re-going-to-jail-my-ice-detention-story-as-a-canadian-citizen-08b4fa77a15c" target="_blank" rel="noopener">Jasmine Mooney&#8217;s wahre Haftbefehl-Geschichte: You’re not a criminal, but you’re going to jail</a>. (Du bist keine Verbrecherin, kommst aber trotzdem in Haft.)</p>
<h2>Vielschichtige Ambivalenz: Was unausgesprochen bleibt</h2>
<p>Tatsächlich hat Laila Lalami aber schon vor über zehn Jahren mit dem Schreiben von The Dream Hotel begonnen. Sie ließ es dann mehrere Jahr lang liegen, bis die Isolation während der Pandemie sie erneut inspirierte. Der unterbrochene kreative Entstehungsprozess hat dem Buch gut getan. Nun ist es vielmehr eine universelle Dystopien jenseits kurzlebiger Gegenwartsgeschichten. In meiner Buchausgabe gab es überhaupt keine Bilder, bloß die, die in meinem Kopf entstanden. Es gab noch nicht mal ein Foto <a href="https://lailalalami.com/about/" target="_blank" rel="noopener">der Autorin.</a> So viel Platz für Nuancen, Interpretation und Verbindung zu eigenen Erfahrungen. Die dystopischen Details ähneln auf beunruhigende Weise denen der Wirklichkeit.</p>
<p>Die internationale Taschenbuchausgabe schmückt ein geheimnisvolles abstraktes Kunstwerk von David Mann. Es gefällt mir besser als urpsrüngliche, plakativere von Jack Smyth. Zahlreiche internationale Ausgaben und Übersetzungen zeigen mindestens vier verschiedene Titelbilder. Die italienische Variante erinnert an die ikonische Romanverfilmung 2001 (Odyssey im Weltraum).</p>
<h2>Leseerlebnis und Erzählstil</h2>
<p>Als die anfängliche Spannung von The Dream Hotel nach einem nachdenklichen Zwischenakt wieder Fahrt aufnahm, konnte ich die nächsten Seiten und die Auflösung kaum erwarten. Tatsächlich war ich etwa in der Mitte des Buchen schon enttäuscht dass es nicht noch viel länger ist als 322 Seiten (*). Ich muss aber sagen dass Laila Lalami genau die richtige Länge gefunden hat. Was unausgesprochen beliben muss, wird hoffentlich auch nicht ausführlicher von Spin-Offs, Schauspielern oder Fan-Fiction erklärt.</p>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-6603" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/video-surveillance-cameras-will-be-used-in-this-station.jpg" alt="Video Surveillance Cameras will be used in this Station" width="360" height="437" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/video-surveillance-cameras-will-be-used-in-this-station.jpg 526w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/video-surveillance-cameras-will-be-used-in-this-station-247x300.jpg 247w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/video-surveillance-cameras-will-be-used-in-this-station-82x100.jpg 82w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" />Ein kleiner Schritt zwischen Normalität und Einweisung</h3>
<p>Saras Geschichte begann mit einer ganz normalen Situation. Am Flughafen wartet sie auf das ersehnte Wiedersehen mit ihrer Familie, nachdem sie für eine Konferenz im Ausland war. Hier lernen wir Überwachung und Predictive Policing kennen, ähnlich wie wir sie üblichweise aus Gründen der Sicherheit und Bequemlichkeit auch in unserem eigenen Leben akzeptieren. Schließlich scheint es ja zu funktionieren. Niemand ist offen böse, alles folgt Verfahren, aber wir ahnen schon, wohin das führt.</p>
<p>Die Geschichte springt zwar in der Zeit, erzählt aber fast ausschließlich aus der Perspektive der Protagonistin, die sehnsüchtig nach Antworten sucht. Schließlich beginnt sie sich in ihre prekäre Situation zu fügen und sagt sich selbst, sie sollte dankbar sein für das wenige, was sie hat.</p>
<h3>Nichts zu verbergen und gegeneinander ausgespielt</h3>
<p>&#8222;Nichts zu verbergen&#8220; zu haben wird zum Trugschluss, wenn sich das System gegen uns wendet. Transparenz wird zum Einweg-Überwachungsspiegel, der Fake offensichtlich. Irrtümer sind ein beliebtes Element <a href="https://www.open-mind-culture.org/6175/ki-vergiftung-toxische-pop-kultur/">dystopischer Narrative und toxischer Popkultur</a>: Systeme sind nicht unfehlbar und Vorurteile werden schnell zur <strong>selbsterfüllenden Prophezeiung</strong>. Regeln sind oft willkürlich und ungerecht. Menschen werden bestraft weil sie anders sind und nicht in erwünschte Muster oder Geschäftsmodelle passen. Menschen werden zu illegalen Migranten oder Flüchtlingen erklärt. Der legitime Versuch, Opfer von Kriminellen zu unterscheiden und niemanden ungerecht zu bestrafen schlägt schnell in sein Gegenteil um.</p>
<p>Wer ist schuld, wenn normale Menschen totalitäre Systeme aufrechterhalten, indem sie bloß ihre Arbeit erledigen? Wenn es keinen offensichtlichen Bösewicht gibt? Opferbeschuldigung verwundert auch nicht mehr, das wissen wir auch ohne Buch. Wir brauchen auch keine eigene Hafterfahrung um die Unsicherheit und das Misstrauen nachzuvollziehen, dass die Insassen ihren nächsten gegenüber hegen, kennen sie deren Vergangenheit doch bloß vom Hörensagen und Gerüchten.</p>
<p>Wird sich mit selbstkritischer Betrachtung, Nachforschung und genauer Beobachtung das fehlende Wissen erschließen und, wichtiger noch, Sara helfen aus ihrer Situation zu entkommen?</p>
<h2>Warum sich das Buch zu lesen lohnt</h2>
<p>Spannung weicht vielleicht manchmal gerechtem Zorn, aber am Ende ist das ein Thriller, kein Sachbuch. Auch ohne dass Laila Lalami ein übermäßig komplexes Setting konstruieren würde, bringt der Aspekt der Träume eine zusätzliche Ebene und Mehrdeutigkeit ins Spiel. Manche Eskalation und Action-Situation mag ein wenig übertrieben scheinen, trägt aber sicher zu Tempo und Dramatik der fesselndenden Geschichte bei.</p>
<h3>Ist The Dream Hotel schwer (auf Englisch) zu lesen?</h3>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7107 size-medium alignleft" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/lalami-international-edition-206x300.png" alt="Silhouette on book back cover of the dystopian novel The Dream Hotel" width="206" height="300" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/lalami-international-edition-206x300.png 206w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/lalami-international-edition-69x100.png 69w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/lalami-international-edition.png 663w" sizes="auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px" /></h3>
<p>(*) Mein Buchbesprechung bezieht sich auf internationale Ausgabe von The Dream Hotel, die auf dem Foto oben zu sehen ist. Ich habe bloß ein paar Absätze als Leseprobe der deutschen Übersetzung gelesen. Das englische Original las sich flüssiger und ich fand es nicht schwer zu lesen. Wir müssen auch nicht alle unbekannten Wörter oder Details wie ein bestimmtes marokkanisches Gericht verstehen.</p>
<p>Als Nicht-Muttersprachler habe ich bisher noch kein einziges englischsprachiges Buch gelesen ohne nicht mindestens ein Wort nachzuschlagen.</p>
<p>Auch wenn es nicht nötig ist, um der Geschichte zu folgen, sind das doch zusätzliche Details, im Falle von The Dream Hotel auch zusätzlich vieldeutige. Ich war überrascht von den vielen Bedeutungen von Wörtern wie creosote, bland, snitch, giddy oder dote. Auch Worte wie litigious oder debauchery waren mir zuvor nie aufgefallen. Wie gesagt, nicht dass es wirklich wichtig ist, aber solche subtilen Details gehen beim Übersetzen verloren. Das verändert Geschichten und ihre Atmosphäre schon ein bisschen. So wie die Auswahl der Titelbilder.</p>
<h3>Wie es sich anfühlt und duftet</h3>
<p>Vielleicht ein ungewöhnlicher Aspekt einer Buchbesprechung, aber eine Bemerkung wert. Ich erinnere mich an ein raues Vintage-Papier das gleichzeitig brandneu war. Große Serifen-Buchstaben und ein, zumindest hierzulande, ungewöhnlich großes Hochformat trugen auch zur leichten Lesbarkeit bei. Sowohl der Duft und das Gefühl des Groschenromanpapiers als auch der Buchtitel erinnerten mich kurz an Menschen im Hotel (Grand Hotel) von Vicky Baum, ein Buch mit dem Untertitel &#8222;ein Kolportageroman mit Hintergründen&#8220;, was wiederum als &#8222;pulp novel&#8220; ins Englische übersetzt wurde.</p>
<p>Wir folgen nicht nur dem Duft, sondern auch Saras Phantasie, wenn sie sich an traditionelle Marokkanische Kücher erinnert. Ich bin eigentlich kein Fan kulinarischer Literatur. Aber Lalami erwähnt Marokko nicht ohne Grund. Die Erinnerung an ihre Familie konterkarieren die strengen Gerüche und die spärliche Verpflegung in der Einrichtung. Selbst auf meinem weit entfernten komfortablen Sofa tragen solche sinnlichen Details zum Nachgeschmack bei, den das Buch bei mir hinterlassen hat.</p>
<h2>Konsequenzen im wahren Leben</h2>
<p>Ich war ein wenig verstört nachdem ich das Buch beiseite legte und überrascht über meine gemischten Gefühle. Letzten Endes erweckte dieses Buch Ideen und Gefühle, die in unserem Alltag allzuleicht vergessen werden. Wir können wohl kaum so tun, als hätte die Geschichte nichts mit uns zu tun. Stell dir bloß vor, wie deine eigene Lebensgeschichte ebenfalls unerwartet abbiegt in Richtung Verhör und Verhaftung anstatt zum Taxistand.</p>
<p>Alles, Ärger, Träume und zufällige Begegnungen, können gegen dich verwendet werden. Technischer Fortschritt hat einen Preis. Das Schicksal der Welt liegt nicht in unserer Hand. Ein bisschen Einfluss haben wir aber schon. Hast du Zeit für solche Gedanken? Was würdest du an Saras Stelle tun?</p>
<p>In Kürze: Laila Lalami und ihr Buch, The Dream Hotel, bieten düstere Aussichten, unterhaltsame Lektüre und eine Autorin, die sich zu entdecken lohnt!</p></div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6597/ueberwachungs-dystopie-thriller-the-dream-hotel-von-laila-lalami/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Überwachungs-Dystopie-Thriller: The Dream Hotel von Laila Lalami&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
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		<title>Webfarben, Web-Farben, Weberei und Webdesign</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/4765/webfarben-web-farben-weberei-webdesign/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 14:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Webentwicklung und Design]]></category>
		<category><![CDATA[a11y]]></category>
		<category><![CDATA[accessibility]]></category>
		<category><![CDATA[css]]></category>
		<category><![CDATA[technology]]></category>
		<category><![CDATA[web]]></category>
		<category><![CDATA[webdesign]]></category>
		<category><![CDATA[webdevelopment]]></category>
		<category><![CDATA[webfarbe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Welche Konzepte und Rahmenbedingungen Weberei und Webdesign verbindet und was Alpakas mit barrierefreiem Farbkontrast zu tun haben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'><figure id="attachment_6782" aria-describedby="caption-attachment-6782" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-photo-work-purple.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6782" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-photo-work-purple.jpg" alt="Wandteppich und Foto der Künstlerin auf einer Ausstellung" width="300" height="368" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-photo-work-purple.jpg 600w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-photo-work-purple-245x300.jpg 245w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-photo-work-purple-82x100.jpg 82w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-6782" class="wp-caption-text">Gewebter Wandteppich von Lise Gujer</figcaption></figure></p>
<p>Was hat ein trditionelles Handwerk mit digitalem Design und Webentwicklung gemeinsam? Wie beeinflusst Technologie die Technik und den kreativen Prozess? Diese Fragen gingen mir durch denk Kopf beim betrachten zweier unterschiedliche Umsetzungen derselben Bildidee durch dieselbe Künstlerin, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lise_Gujer" target="_blank" rel="noopener">Lise Gujer</a>, zu sehen im Brücke-Museum Berlin, und innovativer Textildesgin-Ideen an der Kunsthochschule Weissensee ebenfalls in Berlin. Zwar gelten nicht genau dieselben Rahmenbedingungen für Weberei, Textil- und Webdesign, aber sie arbeiten alle mit einer eingeschränkten Farbpalette und einer rechtwinklingen Basis, auf der farbenfrohe Bilder entstehen. Darum fühlte es sich für mich als Webentwickler so vertraut an.</p>
<h2>Webfarben und ihre Bedeutung</h2>
<p>Webfarben können Farben im Web, also im Internet sein, oder in der Weberei. Die zweite Bedeutung ist inzwischen seltener. Grünes Gras lässt auf gute Ernte hoffen, rotes Blut fließt durch unsere Adern, und rote Ampeln bedeuten fast überall, bitte anhalten! Reife rote Beeren fallen immer auf, seien sie nun lecker oder giftig. Farben sind keine universellen Zeichen. Ihre Bedeutung ist abhängig von Kultur und Kontext. Frag also nicht, was Farben bedeuten, sondern was sie für dich und dein Publikum bedeuten!</p>
<h3>Materielle und virtuelle Farbbeschränkungen</h3>
<p>Faben sind Materialien beim Weben und im Textildesign. Lieferengpässe oder auch ökologische Bedenken können die Auswahl der Farbe im Textildesign einschränken. Im Gegensatz dazu bestehen Websites buchstäblich aus Licht und Ideen. Markenidentität und barrierefreie Farbkontraste beeinflussen heutzutage unsere digitale Farbauswahl. Früher waren es technische Grenzen der Geräte, die Webentwickler auf eine web-sichere Farbpalette beschränkten. Einige Grundfarben hatten lebhafte Namen wie Fuchsia oder Aqua, spätere Erweiterungen brachten Namen wie Lemonchiffon (Zitronen-Chiffon), Kornblumenblau oder Peachpuff (Pfirsich-Blätterteiggebäck).</p>
<p>Rahmenbedingungen regen also oft die Kreativität an.</p>
<h2>Farb-Innovatoren verschiedener Art</h2>
<figure id="attachment_6785" aria-describedby="caption-attachment-6785" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6785" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024-795x1024.jpg" alt="Web-Gewebe, Moos und Pilze" width="300" height="386" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024-795x1024.jpg 795w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024-233x300.jpg 233w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024-768x989.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024-78x100.jpg 78w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/fungi-colors-birke-weber-weissensee-2024.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6785" class="wp-caption-text">Mycocolors von Birke Weber</figcaption></figure>
<p>In der dinglichen Welt erfanden Innovator:innen wie <strong>Birke Weber</strong> neuartige <a href="https://myco-colors.com/" target="_blank" rel="noopener">biologische Pilzfarben</a>. <strong>Jasmin Sermonet</strong> veränderte Webmaschinen als Hardware-Hackerin (<a href="https://jasminsermonet.com/why-open-source-fabrication-will-change-the-future-of-textile-design/" target="_blank" rel="noopener">Hacking Textile Tools)</a>. Ein Projekt namens <a href="https://germandesigngraduates.com/urban-fibers/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Urban Fibers</strong></a> sammelte entsorgte Textilien von den Berliner Straßen und webte daraus recycletes Garn. Alle drei Projekte waren 2024 beim Graduierten-Rundgang der Kunsthochschule Weissensee zu sehen.</p>
<h3>Mehr oder weniger Webfarben</h3>
<p>Es hat einige Zeit gedauert um diese Inspirationen als Artikel zu verarbeiten. Aktuell freue ich mich eine andere anstehende Farb-Innovation, die in meinem Fachgebiet sehnlichst erwartet wird. In den letzten Jahren wurden Style Sheets (CSS) über die bis dahin möglichen 16,7 Millionen <a href="https://www.open-mind-culture.org/1985/mehr-und-buntere-webfarben/">um noch mehr neue und buntere Webfarben erweitert</a>. Gleichzeitig reduzierte sich die praktisch verfügbare Farbauswahl durch die Anforderungen an Farbkontraste durch das Barrierefreiheits-Stärkungs-Gesetz. Nicht alle Webdesigner und Entwickler waren freute diese Entwicklung.</p>
<h3>Farbkontraste folgten keine einheitlichen Wahrnehmung</h3>
<p>Allerdings erzwangen diese Regelungen veraltete mathematische Modelle, die menschliche Wahrnehmung nicht exakt nachbildeten. Die bestehenden Instrumente gewichteten Farbkontrast innerhalb des aus rot, grün und blau gemischten RGB-Farbraums. Ihnen fehlte die Einheitlichkeit der Wahrnehmung, die der der meisten Menschen entspricht.</p>
<h2>Aktualisierter Kontrast-Algorithmus für Barrierefreiheit</h2>
<figure id="attachment_6783" aria-describedby="caption-attachment-6783" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6783" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/alpaca-saxony-2020.jpg" alt="Alpaka" width="300" height="400" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/alpaca-saxony-2020.jpg 600w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/alpaca-saxony-2020-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/alpaca-saxony-2020-75x100.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6783" class="wp-caption-text">Alpaka, neues Maskottchen der Barrierefreiheit?</figcaption></figure>
<p>Der neue <strong>Advanced Perceptual Contrast Algorithm (APCA)</strong> entspricht mehr der menschlichen Wahrnehmung. Ziel des neuen Algorithmus ist es, der menschlichen Wahrnehmung so genau zu entsprechen, dass er sich richtig anfühlt und wir nicht mehr länger mit Kunden über Standards diskutieren müssen, die wir ohnehin nicht aus ganzem Herzen unterstützen. Die Berliner Data-Visualization-Expertin <strong>Lisa Charlotte Muth</strong> hat bereits einen exzellenten <a href="https://www.datawrapper.de/blog/color-contrast-check-data-vis-wcag-apca" target="_blank" rel="noopener">Artikel über die technischen Details und Implikationen von APCA</a> Farbkontrasten in der Praxis geschrieben. Der Tailwind-Design-Engineer <strong>Dan Hollick</strong> schrieb ebenfalls über <a href="https://typefully.com/DanHollick/wcag-3-and-apca-sle13GMW2Brp" target="_blank" rel="noopener">WCAG 3 und APCA.</a> Leider ist APCA bloß aktuell nicht mehr Teil der anstehenden WCAG 3.0 Barrierefreiheits-Updates. (Artikel aktualisiert im April 2026)</p>
<h3>APCA, das Alpaka-Akronym</h3>
<p>Ich erspare euch weitere kryptische Akronyme und zeige stattdessen ein Tier namens Alpaka. Wenn ihr noch einmal irgendwo &#8222;APCA&#8220; hört oder lest, dann denkt einfach an das süße fellige Tier. Dann werdet ihr nie wieder die <strong>richtige Reihenfolge der Buchstaben vergessen. APCA</strong> klingt sogar ein bisschen wie Alpaka. Denkt bloß dran, dass das (noch) nicht die offizielle Aussprache ist.</p>
<h2>Zeitlose Farbdesignprinzipien</h2>
<figure id="attachment_6841" aria-describedby="caption-attachment-6841" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6841" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/web-tapestry.jpg" alt="Laptop und Hand mit Computermaus auf einem Webteppich als Symbol der Parallelen zwischen Weben und Webfarben im Webdesign" width="300" height="400" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/web-tapestry.jpg 698w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/web-tapestry-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/web-tapestry-75x100.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6841" class="wp-caption-text">Web und Weberei: Webentwickler-Laptop auf einem gewebten Teppich.</figcaption></figure>
<p>Es gibt grundlegende Designprinzipien die gut gealtert sind, beispielsweise Verteilen von Farbpaletten mit etwa  60% der Fläche in der Primärfarbe, weiteren 30 in der sekundären, und nur 10% mit Akzentfarbe. Auch Klischees der Farbpsychologie funktionieren in vielen Situationen: rot für Alarm und dringende Calls-to-Action, blau für Ruhe, Ernst und Finanzen usw.</p>
<p>Bei einer ausreichenden Besucherzahl können wir mithilfe von A/B-Tests unsere Vermutungen und Designideen mit messbaren Zahlen verifizieren.</p>
<p>Trends und Markenfarben entziehen sich normalerweise unserem Einfluss, aber wie wir schon gesehen haben, ist Farbkontrast inzwischen gesetzlich verpflichtend. Trotzdem ist es immer noch rechtzlich zulässig allein mithilfe von Farbe Bedeutungen zu vermitteln. Das sollten wir natürlich nicht tun.</p>
<h3>Welche Webfarben sind am barrierefreiesten?</h3>
<p>Es gibt nur zwei Farben, die <em>safe</em> die barrierefreieste Farbkombination ergeben, und die sind gar keine &#8222;echten Farben&#8220; im eigentlichen Sinne, sondern Graustufen: schwarz und weiß. Warum? Nicht jede:r nimmt die sichtbare Welt auf die gleiche Weise wahr. Manche divergenten Wahrnehmungsweisen haben sogar eigene Bezeichnungen wie dichromatisches Farbsehen, besser bekannt als Rot-Grün-Blindheit.</p>
<p>Sogar dieselben Personen erleben dieselben Markenfarben nicht genau gleich auf unterschiedlichen Geräten, Bildschirmen, Beleuchtungen oder mit verschiedenen Brillen. Technisch gesehen sollten wir Farben als Bonus, nicht als Basis betrachten.</p>
<h3>Make it Right in Black and White</h3>
<p>Ich habe hier ja schon <a href="https://www.open-mind-culture.org/1233/ux-fail-wo-ist-der-content-geblieben/">über Seitenlayout</a> geschrieben. Außer durch Markendesign und Barrierefreiheits-Vorgaben ist die künstlerische Freiheit weiter eingeschränkt durch Werbung und unästhetische fachliche Vorgaben. Aber zusammen können Farben, Formen und Text jedenfalls ausreichend redundant sein, damit eine Website ihre Botschaft und Funktionalität inklusiv allen vermittelt. Egal wie sie Farben sehen oder ob überhaupt. Barrierefreiheit definiert nützliche Rahmenbedingungen. Kreatives Design entwicklelt in diesem Rahmen attraktive interaktive Lösungen. Digitale Kreation hat viel mehr mit traditionellem Handwerk gemeinsam als  es auf den ersten Blick erscheint.</p>
<h3>Weitere Parallelen und Unterschiede</h3>
<figure id="attachment_6780" aria-describedby="caption-attachment-6780" style="width: 500px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6780" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin.jpg" alt="Traditioneller Holzwebstuhl und zwei Wandbilder desselben Motvs in einer alten Leinen- und einer farbenfrohen expressionistischen modernen Version rechts daneben." width="500" height="416" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin.jpg 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin-300x250.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin-768x639.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/webstuhl-gujer-bruecke-museum-berlin-100x83.jpg 100w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><figcaption id="caption-attachment-6780" class="wp-caption-text">Leinen-Look und eine expressionistische Farbvariante desselben Bildes von Lise Gujer im Berliner Brücke-Museum.</figcaption></figure>
<p>Die Parallelen werden offensichtlich wenn Web-Werke ihre zugrundeliegende Struktur offenbaren, die runde Formen in ein eckiges Gitter abstrahiert. Lise Gujers Zusammenarbeit mit ihren Kunden und ihrem künstlerischen Partner Kirchner erinnerte mich an meine eigene Arbeitsweise als Webentwickler: Ideen entwickeln, verfeinern und im Rahmen der technischen Möglichkeiten umsetzen. Kirchner hat oft nur sehr grobe Skizzen geliefert, ergänzt um farbige Fäden oder Markierungen. Gujer erweckte diese Skizzen zum Leben. Konsequenterweise nannte Kircher ihre Webkunst &#8222;<strong>eine neue Art der Malerei</strong>.&#8220;</p>
<h3>Webfarben und Web-Farben: Material vs. Anwendung</h3>
<p>Webfarben, Webfäden und Webdesign weisen einige Parallelen auf. Was Weberei angeht, kann ich leider keine konkreten Farben und Fäden empfehlen. Aber mit Farben fürs Web kenne ich mich aus. In beiden Fällen kommt es nicht nur auf das Material an, sondern auch um die Anwendung. Als Lise Gujer Jahrzehnte später eine neue Version einer ihrer ersten Arbeiten webte, wählte sie strahlendere Faben, inspiriert von ihrer Peru-Reise und näher an Kirchners expressionistischer Palette. Außerdem wusste sie inzwischen zu verhindern, dass die durchscheinenden hellen Kettfäden das Bild verblassen lassen.</p>
<figure id="attachment_6781" aria-describedby="caption-attachment-6781" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6781" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-web-detail.jpg" alt="Webrahmen with Muster, Kettfäden, Schussfäden und Schmetterling als Symbol unvollendeter Arbeit" width="300" height="400" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-web-detail.jpg 600w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-web-detail-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/gujer-web-detail-75x100.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6781" class="wp-caption-text">Unvollendeter schöpferischer Prozess: teilweise mit Schussfäden gefüllte Kettfäden in einem hölzernen Webrahmen.</figcaption></figure>
<p>Diese neuere Version ist auch nicht mehr ganz neu. Aber in meinen Augen erinnert sie dennoch an leuchtende digitale Kunst. Starken Farbkontrast lässt sie jedenfalls nicht vemissen.</p>
<h3>Real-Life Crafts and Colors</h3>
<p>Begegnungen im echten Leben werden zunehmend wertvoller, auch Gegenbewegung zur beschleunigten Automatisierung und qualititiv minderwertiger KI-Assistenten. In letzter Zeit habe ich zahlreiche <a href="https://www.open-mind-culture.org/5422/beyond-tellerrand-berlin-2025-praesenz-konferenzen-mit-zukunft/">Konferenzen und Meetups wie die Beyond Tellerrand</a> besucht. Veranstaltungen und Ausstellungen wie die im Brücke-Museum in Berlin ergänzen ein ansonsten vorwiegend visuelles Erlebnis um haptische Eindrücke, Gerüche und Bewegung.</p>
<p>Vor den Webstücken an der Wand steht ein hölzerner Webstuhl. Vielleicht derselbe oder ein ähnlicher wie der, auf dem die farbenfrohen Kunstwerke entstanden. Dem Museum ist es gut gelungen, geschichtliche Werkzeuge nicht zu zeigen sondern im Mitmachbereich zum Begreifen einzuladen.</p>
<p>Kett- und Schussfäden zählten wahrscheinlich zu den Fachbegriffen und Konzepten, von denen die damlige Kundschaft weder gehört hatte noch etwas wissen wollte. Ähnlich wie  die heutigen Kunden bloß wollen, dass Websites gut funktionieren und ihre Farbgebung anspricht.</p>
<h2 dir="ltr">Einschränkung als Inspiration</h2>
<p>Am Ende kommt es meistens gar nicht so sehr daruaf an ob wir mit 16 oder mit 16 Millionen Farben arbeiten. Angewandte Kunst, Handwerk, und <a href="https://www.open-mind-culture.org/3484/nachhaltig-elegantes-webdesign-2024-2025/">nachhaltig elegantes Webdesign</a> bedeuten schließlich auch im eingeschränkten Rahmen etwas spannendes zu erschaffen.</div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/4765/webfarben-web-farben-weberei-webdesign/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Webfarben, Web-Farben, Weberei und Webdesign&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Informations-Vergiftung und toxische Popkultur</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6175/ki-vergiftung-toxische-pop-kultur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 10:37:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ai]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[ki-kritik]]></category>
		<category><![CDATA[technology]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=6175</guid>

					<description><![CDATA[<p>Lossy Loops, Echokammern und robotische Pipe Dreams sowie retrofuturistischer KI-Kunstwerke</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6175/ki-vergiftung-toxische-pop-kultur/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Informations-Vergiftung und toxische Popkultur&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>
<blockquote><p>Im &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dead_Internet_Theory" target="_blank" rel="noopener">toten Internet</a>&#8220; (Dead Internet) lassen wir Maschinen für uns schreiben und lesen. Informationsknappheit war gestern, das Internet leidet an Informationsverschmutzung. Schreiben ist immer noch sinnvoll, aber wie gelingt es ohne KI-Vergiftung (<a href="https://dev.to/ingosteinke/if-writing-still-matters-how-to-do-it-right-and-avoid-ai-suspicion-2nac" target="_blank" rel="noopener">Writing still matters. But if it does, how to do it right and avoid AI</a> intoxication?)</p></blockquote>
<h2>Toxizität in der Popkultur</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/loner-penguin-portrait-crop.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-6518" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/loner-penguin-portrait-crop-234x300.png" alt="Lone penguin, northern lights and colorful screens" width="300" height="385" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/loner-penguin-portrait-crop-234x300.png 234w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/loner-penguin-portrait-crop-78x100.png 78w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/loner-penguin-portrait-crop.png 478w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Information wird toxisch, wenn Desinformation, Propaganda, Troll- und KI-generierte Wiederholung den Kontext vergiftet. Feedbackschleifen verstärken Fehler, Stereotype und Halluzinationen, und zwar mit oder ohne KI. Algorithmische Echokammern verstärken, was Leute gern hören oder was die Plattformen und ihre Sponsoren dafür halten. Soziale Medien belohnen toxisches Verhalten und die Popkultur ist nicht besser. Trotz ihres sozialen Aspekts können Online-Communities Einsamkeit, Ärger und destruktive Tendenzen verschlimmern.</p>
<p>Kürzlich wurde ein Pinguin, der sich von seinen Artgenossen abwendet und in die eisigen Berge aufbricht, als &#8222;Meme des nihilistischen Pinguins&#8220; gefeiert. Andererseits kommt aus der Popkultur auch mehr oder weniger ironische Kritik an toxischer Kultur und sozialer Ungerechtigkeit. &#8222;Toxicity&#8220; von System of a Down oder &#8222;Vergiftet&#8220; von Jan Delay greifen das sogar wörtlich in ihren Songtexten und Titeln auf, vielleicht als Wortspiel mit der mittelalterlichen Weisheit &#8222;<span style="font-weight: 400;">nichts ist ohne Gift und ohne Gift ist nichts, nur auf die Dosis kommt es an.&#8220;</span></p>
<h2>Toxzität überwinden</h2>
<p>Probleme zu benennen kann bei ihrer Lösung helfen. Vielleicht geht es im Pop gerade darum, Aufmerksamkeit zu schaffen und persönliche Erfahrungen und Beobachtungen zu teilen. Mehrdeutigkeit ist ein wichtiger Aspekt der Kunst, sonst wäre sie Edutainment oder Propaganda. Also liegt die Interpretation immer im Ohr und Auge der Betrachter. KI-Kunst wurde für ihre Plattitüden und Stereotype kritisiert, doch ihre Zufallsaspekte und unerwarteten Missverständnisse der ursprünglichen menschlichen Intention bringen Mehrdeutigkeit zurück ins Spiel. Für diesen Artikel habe ich KI einige surreale Kunstwerke nach Vorlage beliebter Bilder und meiner Notizen erzeugen lassen. Als Stilvorlage dienten andere KI-Bilder im retrofuturistischen Synthwave-Neon-Style. Ungefragt erhielt ich Nordlichter und Fernsehbildschirme als kritische Hinweise auf unsere digitale Onlinekultur und ihre analogen Vorläufer, denen Antwort- und Mitmachmöglichkeiten fehlten.</p>
<h2>Vergiftung und ihre Doppelbedeutung</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/information-intoxication-pipe-dream-robot.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-6500" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/information-intoxication-pipe-dream-robot.png" alt="Pipe Dream Robot" width="499" height="329" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/information-intoxication-pipe-dream-robot.png 680w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/information-intoxication-pipe-dream-robot-300x198.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/information-intoxication-pipe-dream-robot-100x66.png 100w" sizes="auto, (max-width: 499px) 100vw, 499px" /></a></p>
<p>Ein weiteres auffallend kitschiges KI-Kunstwerk, erneut in Lila- und Türkistönen gehalten und mit Fernsehern auf dem Boden, zeigt einen Spielzeugroboter mit einer Glaspfeife am Mund aus der neonfarbene Formen und eine Sprechblase entstehen. Was aussieht wie ein Kind, das Seifenblasen bläst, war mein Versuch, das Wort „Pipe Dreams“ (Träume, Hirngespinste, Luftschlösser) zu illustrieren. Ein kiffender Roboter, der mit einer Wasserpfeife Drogen konsumiert, ist eine andere mögliche Interpretation derselben Illustration.</p>
<p>Auch der Begriff „Vergiftung“ (Intoxication) hat eine doppelte Bedeutung.</p>
<p data-pm-slice="1 1 []">Halluzinierende Chatbots erinnerten mich an Menschen auf Drogen (&#8222;intoxicated on drugs&#8220;) die Unsinn und Träume erzählen. Vergiftung bezeichnet aber auch die Handlung des Vergiftens. Trotz der negativen Konnotation des Begriffs gab es in der Menschheitsgeschichte schon immer absichtliche Vergiftung: Selbstvergiftung auf der Suche nach Inspiration und religiöser Offenbarung. Affen und andere Tiere essen vergorene Früchte und werden vom enthaltenen Alkohol betrunken. Vergiftung anderer aus böswilligen Motiven.</p>
<p data-pm-slice="1 1 []">Tatsächlich zeigen Studien die derzeitige KI als überraschend anfällig für böswillige Manipulation. Bereits <a href="https://www.anthropic.com/research/small-samples-poison" target="_blank" rel="noopener">eine kleine Anzahl an Proben genügte, um auch große KI-Modelle zu vergiften (Anthtropic, 2025).</a> Untersucht wurden Systeme mit Milliarden von Parametern. Für einen erfolgreichen Angriff genügten etwa 250 manipulierte Dokumente in einem ansonsten sauberen Datensatz. Konkret gelang es den Wissenschaftlern auf diese Weise, geheime Befehle (Trigger) einzuschleusen, die Sicherheitsvorgaben umgehen oder verfälschte Antworten produzieren, <a href="https://www.turing.ac.uk/blog/llms-may-be-more-vulnerable-data-poisoning-we-thought" target="_blank" rel="noopener">wie die Autoren Dr. Mavroudis und Dr. Hicks berichten</a>.</p>
<h2> Artefakte und Informationsverluste</h2>
<p>Obschon unsere Gesellschaft zumindest den Zahlen zufolge immer produktiver und kreativer wird, korreliert geschwinde Contentkreation nicht mit Qualität. Jedenfalls nicht im positiven Sinne. KI Slop ist bloß die jüngste Variation von schrottigem Content, früher von Junior-Werbetexter:innen handgefertigt nach Marketingrezepten um flache Inhalte aufzublasen. Klischeeverdächtige Titelformulierungen wie „Das habe ich gelernt“ oder „7 Songs, die jeder Kreative kennen sollte“ erregen zwar mein Misstrauen, aber manchmal verbirgt sich sinnvolles dahinter. Immerhin trägt KI zur Demokratisierung der Content-Erstellung bei und hilft Menschen, ihre Erfahrungen und Meinungen zu äußern, denen das bisher nicht möglich war.</p>
<p>Allerdings wird es immer schwerer, in den großen Massen neuer Inhalte wertvolle Informationen zu entdecken. Die zunehmende Menge an Inhalten verschlechtert das Signal-Rausch-Verhältnis, und neue Generationen von Sprachmodellen der künstlichen Intelligenz werden mit Texten und Bildern trainiert, die vielfach von ihren Vorgängern erzeugt oder bearbeitet wurden.</p>
<h3>Fortschritt als Verschlimmbesserung</h3>
<p>Doch selbst ohne vorsätzliche Schädigung verwandelt sich Fortschritt in Verschlimmbesserung, wenn immer mehr Trainingsdaten selbst von KI verfasst werden. Ein Wettrennen um wissenschaftliche Durchbrüche und die Begeisterung für experimentelle Technologie erinnern mich an die umstrittenen Technologien des 20. Jahrhunderts, wie Atomenergie oder Luftfahrt, die unsere Welt vor etwa 100 Jahren veränderten.</p>
<h2>Hindenburg- und Habsburg-Szenarios</h2>
<p>Zeppelin-Luftschiffe schwebten langsam am Himmel, so wie in Steampunk-mäßigen Parallelweltszenarien, hätte nicht der Hindenburg-Zeppelin nach einer erfolgreichen Atlantiküberquerung kurz vor der Landung Feuer gefangen. Ein &#8222;Hindenburgmoment der KI,&#8220; befürchten manche Experten, könnte das Vertrauen verspielen und den Hype beenden. Hindenburg ist nicht zu verwechseln mit dem ähnlich klingenden Schlagwort Habsburg, das ebensfalls zur Voraussage einer düsteren Zukunft für die heutige KI fällt, benannt nach der Habsburger Monarchie, deren zahlreiche Krankheitsfälle auf Inzucht zurückgeführt wurden.</p>
<p>Der Habsburger-Effekt wirkt wahrscheinlicher. Er geschieht schon jetzt, und ähnliche Verschlechterungseffekte lassen sich überall beobachten.Stille Post und ähnliche Kinderspiele, wo geflüsterte Botschaften von Verhörern und Missverständnissen verzerrt werden, sind noch lustig. Derselbe Effekt enttäuscht oder inspiriert im erwachsenen Alltagsleben: eine Fotokopie einer Fotokopie einer Fotokopie, eine Kopie einer Kopie einer Kopie einer analogen magnetischen Tonbandaufnahme einer verkratzen Schallplatte, oder die eckigen Artefakte die beim Hineinzommen in digital Bilder erscheinen, die mehrfach verlustreich komprimiert wurden.</p>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-6520" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1-1024x481.png" alt="Artifact Artwork" width="1024" height="481" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1-1024x481.png 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1-300x141.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1-768x361.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1-100x47.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/pixelate-1.png 1397w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></p>
<p>Dieses Originalkunstwerk veranschaulicht verschiedene Arten von Artefakten, Verzerrungen und Verschleißerscheinungen, die verlustbehaftete Reproduktion verursacht.</p>
<p>Ich habe auch hier KI verwendet, um ein Ausgangsbild zu generieren, das wiederum dem violetten Science-Fiction-Stil treu bleibt und mit Kästchen, kleinen Quadraten und analoges Rauschen simuliert. Die rechte Hälfte und mehrere kleinere Bereiche auf der linken Seite habe ich dann mit dem Pixelate-Filter von GIMP retuschiert, als Kontrast zu den klareren Details in der linken Mitte, bevor ich das Bild schließlich mit einer niedrigen JPEG-Qualität von 20 % komprimiert exportiert habe, um „echte“ Artefakte zu erzeugen, die Bilder ungewollt verfremden, wenn wir es nicht erwarten..</p>
<h2>Mische, prüfe und beobachte kritisch</h2>
<p>Wenn Künstler und Autor:innen weiterhin verschiedene Ansätze und Technologien kombinieren, KI als Assistenten nutzen, ihren eigenen Stil, ihre Inspiration und ihre Erfahrung einbringen und Fakten anhand von Suchmaschinenergebnissen und ihrem realen Wissen überprüfen, dann veranschaulicht das obige Bild vielleicht die Informationsflut der Zukunft. Wir werden Kreativität und Wissen nicht gänzlich verlieren, aber wir müssen unsere Augen und unseren Verstand schulen, kritischer hinzuschauen und Halluzinationen und Manipulationen von dem, was wirklich zählt, zu unterscheiden.</p>
<p>Ein praktisches Beispiel: laut statistischer Analyse ist dieser Artikel 100% menschengeschrieben. Keine KI. Das ist offensichtlich nicht richtig. Viel Technologie hat mir beim Erstellen dieses Artikels geholfen, auch beim Schreiben. Ich notierte. Ich sammelte. Recherchierte. Fügte alles zusammen und fragte die KI nach der Essenz und was davon relevant ist für Suchmaschinenoptimierung.</p>
<p>Der folgende Screenshot bezieht sich auf die ursprüngliche englische Version dieses Artikels vor einer abschließenden Bearbeitung.</p>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-6524" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-1024x282.png" alt="" width="1024" height="282" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-1024x282.png 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-300x83.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-768x212.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-1536x423.png 1536w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus-100x28.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/03/corpus.png 1625w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></p>
<p>Verlasse dich nie auf KI. Verlasse dich nicht auf Zahlen.</p>
<p>Schule dein Sehen und deinen Geist und mach dir deine eigenen Gedanken!</p></div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6175/ki-vergiftung-toxische-pop-kultur/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Informations-Vergiftung und toxische Popkultur&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>KI-Kunst und Barista-Memes</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6433/ki-und-barista-memes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 16:30:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[ai]]></category>
		<category><![CDATA[art]]></category>
		<category><![CDATA[kunst]]></category>
		<category><![CDATA[technology]]></category>
		<category><![CDATA[webdevelopment]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=6433</guid>

					<description><![CDATA[<p>"Ihr Job wäre mir lieber" und andere lustige KI-Cartoons</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6433/ki-und-barista-memes/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;KI-Kunst und Barista-Memes&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>Endlich wieder was mit Bildern! In der Programmier- und Entwickler:innen- Community kursieren mindestens zwei verschiedene Variationen des beliebten Barista-Themas. &#8222;<em>Ihren</em> Job hätte ich gerne&#8220; sagen hier zwei zugleich, eine Barista und eine Kundin, die als Freelancerin am Laptop arbeitet.</p>
<h2>Ihren Job hätte ich gerne!</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-6418 size-full" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job.png" alt="" width="800" height="532" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job.png 800w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job-300x200.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job-768x511.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-barista-meme-i-d-rather-do-her-job-100x67.png 100w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><br />
Disclaimer: alle Bilder in diesem Beitrag sind KI-generiert, hoffentlich nicht auf Kosten unbekannter Künstler:innen?</p>
<p>Der Struggle ist aber real. Ernste Diskussionen, Karriereentscheidungen, Coaching und Thereapiesitzungen drehen sich um Jobwechsel oder lieber bleiben. In populären Klischees sind Enwickler:innen faule Hipster die mit ihren Laptops in Cafés und Coworking-Spaces abhängen, oder aber zurückgezogen in dunklen Räumen in dunkle Kapuzenpullis gekleidet auf bunte Codezeilen die starren die auf mindestens drei übergroßen Monitoren leuchten. Diesen Klischees zufolge verdienen diese Menschen viel Geld.  Für viele gilt das tatsächlich, aber nicht für alle und nicht immer und nicht immer leicht. Viele von uns müssen früh aufstehen und in täglichen Statusmeetings Probleme und Erfolge präsentieren, je nach Firmenkultur oft schon um acht Uhr früh. Ich weiß, das sind Luxusprobleme.</p>
<p>Ich möchte kein Barista werden, aber kenne Leute, die das tun. Ein Kollege wäre am liebsten Hufschmied, würde es bloß besser bezahlt. Ein anderer hat tatsächlich seinen IT-Job geschmissen und arbeitet jetzt als Tanzlehrer. Aber ich kenne auch Teilzeit-Baristas, die auf Bootcamps oder Ausbildungsplätze sparen und auf eine Karriere als Entwickler:in hoffen.</p>
<p><a id="baristas-developers-vice-versa" name="baristas-developers-vice-versa"></a>Hier ist das originale Meme im KI-kreierten Comic-Stil mit einer &#8222;90 Tage später&#8220; Fortsetzung.</p>
<h2>Baristas werden Entwickler:innen und umgekehrt</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-6424 size-full" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1.png" alt="" width="1015" height="535" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1.png 1015w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1-300x158.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1-768x405.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/barista-meme-blue-car-1-100x53.png 100w" sizes="auto, (max-width: 1015px) 100vw, 1015px" /></a></p>
<p>Text im Bild: Baristas nehmen Coding-Unterricht um Entwickler zu werden. Entwickler träumen davon, cafés zu eröffnen und Baristas zu werden. 90 Tage später: &#8222;Ich bin ein Web-Entwickler&#8220;. (Alle:) &#8222;Ich bin ein Web-Entwickler.&#8220;</p>
<p>Das eigentliche Problem ist, dass dein Bootcamp-Wissen als Junior Web Developer dich nicht weit bringt, wenn alle anderen dieselbe Idee hatten.</p>
<p>Dann kam KI. KI kann programmieren. KI ist schuld an Entlassungswellen und fehlenden Stellen für Berufseinsteiger.</p>
<h2>Nimmt uns KI alle Jobs weg?</h2>
<p>Nein, nimmt sie nicht.</p>
<p>KI scheitert an ihren eigenen Versprechen. Du kannst von KI keine korrekten Ergebnisse erwarten, nicht wenn du dich anstrengst und schon gar nicht mit Leichtigkeit. KI ist grundsätzlich fehlerhaft und immer zufallsbehaftet, und das macht Menschen abergläubisch. Autodidaktische „KI-Experten” und „Vibe-Coder” werden von echten Experten verspottet, weil sie Dienstleistungen anbieten, die es gar nicht geben sollte. Claude, ChatGPT, Copilot und ihre unzähligen Varianten wurden entwickelt, um von normalen Menschen genutzt zu werden, ohne dass ein technisch versierter Experte erforderlich ist. Deshalb sollte es „Prompt Engineers” gar nicht geben.</p>
<h2>Prompt Engineering</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-6417" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer.png" alt="" width="800" height="441" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer.png 800w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer-300x165.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer-768x423.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-prompt-engineer-100x55.png 100w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a></p>
<p>Text im Bild: Prompt Engineering sieht so aus: (Person mit Klemmbrett und Schürze: &#8222;Ich bin eine Coffee Ordering Expertin! Ich beherrsche die Geheimsprache der Baristas und kann eure Bestellungen übersetzen!&#8220; &#8211; &#8222;???&#8220; &#8211; &#8222;Ich will doch bloß einen schwarzen Kaffee.&#8220;</p>
<p>KI-Bilderstellung ist schon weit gekommen. Wenn du Glück hast, malt dir ChatGPT oder Gemini ein Bild, das du selbst nicht besser hinkriegst. Hast du noch mehr Glück, dann entspricht es vielleicht sogar deiner Beschreibung. Ich habe eine Auswahl von Zeichnungen, Fotos und KI-Cartoons als Vorlage verwendet, um die KI in die richtige Richtung zu führen und die typischen Stereotypen bärtiger weißer California-Dudes und US-Amerikanischer Tech-Bros zu vermeiden. Das ist mein Beitrag zum Prompt Engineering. Credits gebühren Erik Dietrich, in dessen &#8222;<a href="https://hitsubscribe.substack.com/p/surviving-the-great-commoditizer" target="_blank" rel="noopener">Great Commoditizer&#8220;</a> ich die Prompt-Engineering-Idee entdeckte und allen ubekannten Künstlerinnen und Künstlern und Stock-Fotomodellen die hoffentlich für ihre ursprüngliche Arbeit bezahlt wurden, mit der dann die KI trainiert wurde.</p>
<p>Schau dir dann mal den unteren Cartoon an.</p>
<h2>Unlustige KI-Memes</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-6416" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz.png" alt="" width="800" height="533" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz.png 800w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz-300x200.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz-768x512.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/coffee-meme-laz-100x67.png 100w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a></p>
<p>Das ist nicht mal lustig! Vergleiche diesen amerikanischen Klischee-Cartoon mit dem vermessenen glänzenden Roboter und dem mürrischen weißen Entwickler mit den Barista-Comics weiter oben. All diese Bilder habe ich bereits in Meme-Monday-Beiträgen und in ausführlichen Artikeln über ethische Aspekte von KI und mögliche Alternativen in meinem anderen Blog auf DEV.to veröffentlicht, der sich mehr auf technische Themen konzentriert und auch leider noch mehr Publikum anzuziehen scheint als die Open-Mind-Culture-Website.</p>
<p>DEV&#8217;s KI-Bildgenerator baut auf Googles Nano-Banana-Engine, aber mit zusätzlicher retrofuturistischer Stilvorgabe die in neon-pink und türkis Deko und Geräte im Achtziger-Jahre-Stil zeigt. Auch mit zusätzlichem Prompt, um für vielfältigere Charaktere zu sorgen, nutzen wir dort immer noch unfaire Technologie die anfällig für Stereotype ist und originale Künstler:innen abzieht ohne sie wenigstens zu nennen. Ein bisschen komme ich mir hier vor wie in der South-Park-Folge mit dem &#8222;Flaggenkrieg&#8220;. Konsequenterweise wird dieses Experiement mit KI-Kunst bis auf weiteres eines meiner letzten  bleiben.</p>
<h2>Weiterführende Literatur</h2>
<ul>
<li><a href="https://dev.to/ingosteinke/if-writing-still-matters-how-to-do-it-right-and-avoid-ai-suspicion-2nac" target="_blank" rel="noopener">If Writing still Matters, How to Do it Right and Avoid AI Suspicion?</a> (DEV, 2026)</li>
<li><a href="https://dev.to/ingosteinke/8-alternatives-to-ai-for-coding-and-creativity-26k3" target="_blank" rel="noopener">8 Alternatives to AI for Coding and Creativity</a> (DEV, 2025)</li>
<li><a href="https://www.open-mind-culture.org/2366/dont-be-a-robot-ai-kunst-und-die-macht-der-algorithmen/">Don’t be a Robot! KI-Kunst und die Macht der Algorithmen</a> (Open Mind Culture, 2022)</li>
<li><a href="https://www.open-mind-culture.org/4379/pope-art-popkultur-analoge-authentizitaet/">Pope Art, Popkultur und analoge Authentizität</a> (Open Mind Culture, 2025)</li>
</ul>
</div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Filme und Bücher mit oder ohne Tiefgang</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6285/filme-buecher-pseudo-tiefgang-stiller-total-recall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 00:17:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur - Bücher - Filme]]></category>
		<category><![CDATA[fiction]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>
		<category><![CDATA[literature]]></category>
		<category><![CDATA[Programmkino]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=6285</guid>

					<description><![CDATA[<p>Inspirierende neue Indie-Filme ohne Gewalt und veraltete Programmkinoklischees entdecken? (Rant und Plädoyer)</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6285/filme-buecher-pseudo-tiefgang-stiller-total-recall/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Filme und Bücher mit oder ohne Tiefgang&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>Philosophischer Tiefgang geht auch ohne schwülstige Prosa und Programmkinoklischees. Philip K. Dick verstand es, fantastische Ideen und erzählerische Dynamik auf unterhaltsame Weise zu verbinden. Verfilmungen seiner dystopischen Stories, <strong>Total Recall</strong> und <strong>Minority Report</strong> formten popkulturelle Narrative über Überwachung und Gedächtnis und erreichten Millionen von Zuschauern weltweit. Ein Gegenbeispiel ist der Programmkinofilm <strong>Stiller (I am not Stiller!)</strong> nach dem gleichnamigen Roman, den Max Frisch 1954 veröffentlichte, zwölf Jahre vor Dicks Kurzgeschichte &#8222;Erinnerungen en Gros&#8220;, die  Hollywood 1990 als &#8222;Total Recall&#8220; adaptierte.</p>
<figure id="attachment_6251" aria-describedby="caption-attachment-6251" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6251 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-300x225.jpg" alt="Arnold Schwarzenegger and Sharon Stone in the film Total Recall" width="300" height="225" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-300x225.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-1024x768.jpg 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-768x576.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-100x75.jpg 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall-110x83.jpg 110w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/schwarzenegger-total-recall.jpg 1071w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6251" class="wp-caption-text">Total Recall: Arnold Schwarzenegger und Sharon Stone</figcaption></figure>
<h2><strong>Ein Plädoyer für alternative Indie-Kino-Adaptionen</strong></h2>
<p>Beide Geschichten stellen Identität und Realität infrage, aber während Dick Existentialphilosophie in Kurzgeschichten verdichtet, lässt Frisch seinen Protagonisten ausschweifend ausgedachte Abenteuergeschichten voller veralteter Amerika-Klischees fabulieren, voller Details aber offensichtlich ohne sinnvollen Beitrag zur eigentlichen Geschichte. Würden wir die Szenerie tauschen, läse ich immer noch lieber Philip K. Dick als Max Frisch, der als Autor von Biedermann und die Brandstifter selbstverständlich verdienterweise berühmt wurde. Aber Stiller sähe ich lieber als Marsianer in einer kitschigen Weltraumoper, und eine gemächliche Mid-Century-Schwarzweißversion von Total Recall könnte Dicks subversive Mehrdeutigkeit aus unerwartet neuer Perspektive beleuchten. Aber das wäre natürlich zu nischig für das aktuelle Programmkino, und genau das ist eines der vielen Probleme des zeitgenössischen Kinos.</p>
<h2>Welche Probleme hat das zeitgenössische Kino?</h2>
<figure id="attachment_6275" aria-describedby="caption-attachment-6275" style="width: 225px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-6275" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/agnes-varda-retrospective-book-225x300.png" alt="Book cover of Agnès Varda holding a camera" width="225" height="300" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/agnes-varda-retrospective-book-225x300.png 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/agnes-varda-retrospective-book-75x100.png 75w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/agnes-varda-retrospective-book.png 624w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption id="caption-attachment-6275" class="wp-caption-text">Biografie von Agnès Varda</figcaption></figure>
<p>Das Kino ist nicht wegen Videokassetten und Satellitenfernsehen ausgestorben. Das ist Kino ist auch durch Netflix nicht gestorben. Es gibt immer noch viele Kinos, von unabhängigen kleinen Insidertipps bis hin zu festlichen Sälen mit Riesenleinwänden, und die zeigen jedes Jahr viele neue Film, darunter auch eine Menge ambitionierter Arthouse-Produktionen. Dennoch enttäuschen Filme wie After the Hunt, Babygirl, oder Was Marielle weiß angesichts des Lobs und entsprechend hoher Erwartungen, und ich verstehe nicht wirklich, warum. Erst recht nicht, nachdem Generationen ambitionierter und experimentierfreudiger Filmemacher:innen wie <a href="https://www.seemann-henschel.de/produkt/agnes-varda/" target="_blank" rel="noopener">Agnès Varda</a> regelmäßig in Sondervorführungen und retrospektiven Lehrbüchern wieder auftauchen, während die moderne Filmindustrie in einer Sackgasse der Kinokassen-Marketinglogik gefangen scheint.</p>
<h2>Verpasste Chancen für modernes Coming-of-Age-Kino</h2>
<p><strong>Was Marielle weiß</strong> erschien zunächst als vielversprechende Entdeckung im Programmheft des letztjährigen Berlinale-Filmfestivals. Nicht zu verwechseln mit dem 2012er Drama <strong>Das Glück der großen Dinge</strong> mit Julianne Moore, das auf Englisch  <strong>Was Maisie wusste</strong> heißt, genau wie seine literarische Vorlage von Henry James aus dem Jahre 1897. Beide Filme haben nicht nur ähnliche Titel sondern bauen beide auf der Geschichte eines Mädchens, das die Konflikte ihrer selbstsüchtigen Eltern miterleben muss. Den Film über Marielle habe ich aus mehreren verschiedenen Gründen enttäuscht und etwas verstört vorzeitig verlassen.</p>
<p>Warum geht es hier genau? Die einzige Tochter eines kleinbürgerlichen deutschen Ehepaares entwickelt im Jugendalter hellseherische Fähigkeiten und deckt so unfreiwillig die Lügen iher Midlife-Crisis-Eltern auf. Wer selbst Kinder hat und Hellsehen nicht wörtlich versteht, dem mag das bekannt vorkommen. Geplagt von unerwünschten Einblicken in das Intimleben ihrer Eltern, hätte dies eine brillante Geschichte über Teenagerprobleme werden können. Jedoch ist es eher eine verstörende Dystopie, die um egozentrische und selbstmitleidige Erwachsene und ihre First-World-Probleme kreist, und genau das ist auch das Problem von After the Hunt und Babygirl. Schlimmer noch, Was Marielle weiß wirkt wie ein uninspiriertes deutsches Fernsehdrama, das die künstlerischen Möglichkeiten der großen Leinwand verschwendet, die es auch ohne großes Budget gegeben hätte.</p>
<p><strong>After the Hunt</strong> und <strong>Babygirl</strong> ist mit bekannten Hollywood-Schauspieler:innen besetzt und ich frage mich ob hier ein Versuch scheiterte, moderne, authentische und spannende Filme zu drehen oder ob es eben Absicht war, genau das nicht zu tun. Abgesehen von der langweiligen visuellen Inszenierung zeigt die angeblich vieldeutige und komplexe Geschichte von After the Hunt dazu, Maggie (Ayo Edebiri), die einzige schwarze Hauptfigur des Films, tendeziell als böswillige Karrieristin, während sich der Blick ansonsten auf die etablierten weiße Professorin in ihrer Rolle als Opfer und Täter konzentriert. Es gibt schlechtere Filme, aber wie können Filmemacher bloß das Potenzial der besseren so furchtbar verschwenden? Und wo kann ich inspirierende Alternativen ansehen?</p>
<h2>Wo kann das normale Publikum inspirierende neue Filme entdecken?</h2>
<p>Wie können wir als normale Zuschauer und Gelegenheitsleser:innen Inspiration entdecken ohne uns in nerdigem Nischenwissen zu verzetteln? Wenn ich mir das Programmheft eines Filmfestivals wie der Berlinale ansehe habe ich Probleme nur aufgrund der Beschreibung Filme auszuwählen. Ich bin kein professioneller Filmkritiker mit viel Zeit und Geld. Ich könnte mir <em>random</em> Vorführungen ansehen, für die es zufällig noch Tickets gibt oder abwarten, was die Mainstream-Verleiher und Programmkinos nach dem Festival in ihr Kinoprogramm aufnehmen. Überraschungserfolge wie <strong>Poor Things</strong> beweisen dass das zumindest manchmal funktioniert.</p>
<figure id="attachment_6278" aria-describedby="caption-attachment-6278" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-6278" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/queer-indie-cinema-announcement-300x233.png" alt="queer film special announcement in printed magazines" width="300" height="233" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/queer-indie-cinema-announcement-300x233.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/queer-indie-cinema-announcement-768x597.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/queer-indie-cinema-announcement-100x78.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/queer-indie-cinema-announcement.png 944w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6278" class="wp-caption-text">Filmmagazine</figcaption></figure>
<p>Ansonsten kann ich Kino-Nachrichten abonnieren und muss bereit sein, quer durch die Stadt oder das Land zu reisen, wenn ich nicht gerade in Berlin oder in einer Universitätsstadt lebe. Dann gilt es schnell zu sein und einen frühen Nachmittag ganz den filmischen Ambitionen zu widmen, da ungewöhnliches Material oft nur um zwei Uhr nachmittags in einem abgelegenen Vorort gezeigt wird, während sich das Abendprogramm der Programmkinos auf eine Handvoll Filme konzentriert, die den gängigen Klischees und Erwartungen entsprechen.</p>
<h3>Sex and the Cinema</h3>
<p>Es ist also schon eine Weile her, dass ich zuletzt <a href="https://www.open-mind-culture.org/3935/sehenswerte-filme-fruehling-2024-und-frueher/">über Filme schrieb</a>, aber gelegentlich gibt es willkommene Ausnahmen von meinem Dilemma. <strong>Anora</strong> wurde geliebt und gelobt, und ich fand es zwar albern und klischeehaft, aber trotzdem unterhaltsam anzusehen. Anora zeigt das oft verschwiegene Privatleben einer Sexarbeiterin und Brooklyns &#8222;Little Odessa&#8220; am Brighton Beach. In vielen Kinos gibt es regelmäßige Sondervorstellungen wie die queere  &#8222;MonGay&#8220;-Reihe oder Experimentalfilmfestivals. Kostenlose Kinomagazine und Newsletters kündigen solche Serien üblicherweise weit im voraus an. Kunstsinnige sollten sich auch jenseits traditioneller Kinos umsehen, wie bei der Pictoplasma-Konferenz, einer Fachveranstaltung für Character-getriebene Kreativität, die ihre Animationsfilme aber auch einer breiten Öffentlichkeit vorführt mit Eintritt auf Spendenbasis. Solche visuellen Arbeiten erreichen die Kinoszene nur selten.</p>
<h3>Verpasste Empfehlungen</h3>
<p><strong>Flow</strong> wollte ich unbedingt sehen und wurde mir erneut empfohlen. Flow könnte laut Empfehlungen von Freunden der beste Film der letzten Zeit sein, oder zumindest der kreativste: ein Animationsfilm über die fantastische Reise einer Katze und anderer Tiere, ganz ohne menschliche Dialoge! Fairerweise lief der Film Flow nicht nur zwei Wochen lang nachmittags um zwei, sondern prominenter und öfter. Aber leider jetzt nicht mehr.</p>
<h3>Verpasste Indie-Filme per Streaming ansehen</h3>
<p>Streaming und DVD-Videos sind weitere Möglichkeiten, visuelle Kunst und Geschichten jenseits des Mainstreams zu entdecken und dabei zu versuchen, überbewertete Filme mit Pseudo-Tiefgang herauszufiltern, nach unabhängigen Communities und Filmproduzenten zu suchen oder die Online-Filmstreaming-Angebote öffentlicher Bibliotheken zu nutzen. Dort ist nicht selten ungewöhnliches Material enthalten, das im regulären Programm selten zu sehen ist.</p>
<h2>Weitere Indie-Film-Rezensionen und Empfehlungen</h2>
<figure id="attachment_6267" aria-describedby="caption-attachment-6267" style="width: 227px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6267 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/o-ultimo-azul-tiefste-blau-postcard-german-berlinale-227x300.png" alt="Berlinale 75 postcard Das Tiefste Blau (o último azul, The Blue Trail) film poster" width="227" height="300" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/o-ultimo-azul-tiefste-blau-postcard-german-berlinale-227x300.png 227w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/o-ultimo-azul-tiefste-blau-postcard-german-berlinale-76x100.png 76w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/o-ultimo-azul-tiefste-blau-postcard-german-berlinale.png 624w" sizes="auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px" /><figcaption id="caption-attachment-6267" class="wp-caption-text">Filmposter</figcaption></figure>
<p>Ein weiterer guter Independent-Film, der es vom Filmfestival zumindest in ausgewählte Programmkinos schaffte, ist  <strong><a href="https://www.imdb.com/title/tt35340614/" target="_blank" rel="noopener">Das tiefste Blau (The Blue Trail).</a></strong> Gabriel Mascaros Film folgt einer berufstätigen Mutter, die sich weigert in Frührente zu gehen und dadurch als Rebellin flüchten muss. Die Satire auf eine neoliberale Überwachungsgesellschaft feiert Leben und Struggle komischer Charaktere die am Ufer des Amazonas leben und arbeiten. Der Filmtitel, im Original <em>o último azul</em>, bezieht sich auf den blauen Schlangenschleim, der angeblich die Pforten psychedelischer Wahrnehmung öffnet und Menschen hellseherische Fähigkeiten verleiht, wenn sie es wagen einen Tropfen davon in ihr Auge zu tropfen.</p>
<p>Ebenso fern von ausgetretenen Storytelling-Pfaden, aber inmitten von England, erzählt Andrea Arnold in ihrem Film <a href="https://www.imdb.com/title/tt28277817/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Bird</strong></a> die Geschichte der zwölfjährigen, Vogel genannten, Bailey und ihrem Vater Bug (Käfer) die das beste aus ihren prekären Lebensbedingungen machen. Modernes Märchen, Sozialsstudie und eine Sammlung kleiner Momente, die das Mädchen mit ihrer Smartphone-Kamera festhält, und Outtakes mit Laiendarstellern der Nebenrollen zum beschwingten Soundtrack &#8222;Is it too real for you?&#8220; Als Coming-of-Age-Fabel beschrieben, die Kampfgeist und Resilienz der jungen Protagonistin authentisch und mit magischem Realismus einfängt, hat der so beschriebene Film sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient als die Kinos ihm (nicht) gewährten.</p>
<p>Was mir auch gefiel waren <a href="https://www.imdb.com/title/tt20414360/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Köln 75</strong></a> und <a href="https://www.imdb.com/title/tt28479262/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Sing Sing</strong></a>, beide basierend auf wahren Geschichten und mit damals betiligten gemeinsam produziert, modern, heiter und teilweise albern. In Köln wird ein jugendlicher Jazz-Fan zur Bookerin, die das legendäre Konzert von Keith Jarrett organisert, das der dann ungeplanterweise auf einem ungewöhnlichen Klavier improvisiert.  Im anderen Film fordert ein Neuzugang die Theatergruppe amerikanischer Gefängnisinsassen heraus. Viele Teilnehmer spielen sich selbst, gedreht wurde in einem ehemaligen Gefängnistrakt. Auch der Gefängnisfilm braucht keine krasse Gewaltdarstellung, um trotz aller Heiterkeit den Ernst der Lage glaubhaft zu zeigen.</p>
<h2>Relevante Filme ohne Gewaltdarstellung</h2>
<p>Es gibt viele wichtige Filme, die ich dennoch nicht jedem empfehlen würde, eigentlich nur hartgesottenen Aktivist:innen oder jenen, die eines brutalen Weckrufs bedürfen, der an weltweite Krisen und ihre Opfer erinnert. Aber dann schau dir lieber einen entsprechenden Dokumentarfilm an oder semifiktionale Filme über Krieg und Flucht, als die unzähligen fiktiven Krimis und Historienfilme mit reißerischen Schockeffekten und Horrorszenen wie in Agnieszka Hollands <strong>Franz K.</strong>, einem der zahlreichen Arthouse-Filme über Franz Kafka. Ein zeitgenössischer Kritiker nannte Kafka damals einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/In_der_Strafkolonie#Entstehungsgeschichte" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Lüstling des Entsetzens&#8220;</a> und das wäre vielen heutigen Autoren und Filmemachern wohl auch vorzuwerfen. Diesen Film sollte sich niemand ansehen, der nicht schon von zu viel Krimi und Horror verdorben wurde.</p>
<h3>Wie filtert man Filme heraus, die Horror und Gewalt zeigen?</h3>
<p>Filme mit verstörenden Gewalt- oder Horrorszenen sind oft nur in den wenig offensichtlichen Beschreibungsdetails der Kino-Apps gekennzeichnet. Obwohl die Triggerwarnungen gut versteckt sind, versicherte mir das Kinopersonal, dass es sie bei genauerem Hinsehen durchaus gibt. Schließlich gibt es ja viele gute und relevante Filme, die ohne Gewaltdarstellung auskommen und auf solche möchte ich mich beschränken, falls ich jemals wieder genug Material für einen weiteren Artikel über Filme zusammenkriege. Ehrlich gesagt lese ich in absehbarer Zukunft lieber ein Buch, als einen weiteren enttäuschenden Kinobesuch zu riskieren.</p>
<h2>Filmtips und Filmwarnungen</h2>
<p>Lasst uns mal sehen, von welchen Filmen hier die Rede war und wie ich sie bewerten würde:</p>
<ul>
<li>Flow (2024) ?????</li>
<li>Bird (2024) ⭐⭐⭐⭐⭐</li>
<li>Das tiefste Blau (2025) ⭐⭐⭐⭐</li>
<li>Sing Sing (2023) ⭐⭐⭐⭐</li>
<li>Anora (2024) ⭐⭐⭐⭐</li>
<li>Köln 75 (2025) ⭐⭐⭐⭐</li>
<li>Total Recall (1990) ⭐⭐⭐</li>
<li>Ingeborg Bachmann &#8211; Reise in die Wüste (2023) ⭐⭐⭐</li>
<li>Der Fremde (2025) ⭐</li>
<li>Stiller (2025)  *</li>
<li>Das Glück der großen Dinge (2012) *</li>
<li>After the Hunt (2025) 👎👎👎</li>
<li>Babygirl (2024) 👎👎👎</li>
<li>Was Marielle weiß (2025) 👎👎👎👎</li>
<li>Franz K. (2025) 👎👎👎👎👎</li>
</ul>
<p>(*) Das Glück der großen Dinge habe ich (noch) nicht gesehen und die Verfilmung von Stiller auch nicht, aber ich habe versucht, das Buch zu lesen. Das, der Trailer und bisherige Kritiken lassen mich vermuten, dass mein Daumen im Ranking wohl nach unten zeigen würde.</p>
<h2>Was hat Der Fremde einem modernen Publikum zu sagen?</h2>
<figure id="attachment_6247" aria-describedby="caption-attachment-6247" style="width: 211px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6247 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Ingeborg_Bachmann_–_Journey_into_the_Desert_poster-211x300.jpg" alt="Ingeborg Bachmann and Max Frisch - Into the Desert - official film poster (German) via Wikimedia" width="211" height="300" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Ingeborg_Bachmann_–_Journey_into_the_Desert_poster-211x300.jpg 211w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Ingeborg_Bachmann_–_Journey_into_the_Desert_poster-70x100.jpg 70w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Ingeborg_Bachmann_–_Journey_into_the_Desert_poster.jpg 265w" sizes="auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px" /><figcaption id="caption-attachment-6247" class="wp-caption-text">In die Wüste: Vicky Krieps als Ingeborg Bachmann und Ronald Zehrfeld als Max Frisch</figcaption></figure>
<p>Wer sich für den Autor Max Frisch interessiert, sollte unbedingt <a href="https://www.imdb.com/title/tt16103266/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Ingeborg Bachmann &#8211; Reise in die Wüste</strong></a> und ihn somit mit den Augen seiner Partnerin sehen. Die Bachmannsche Wüstenreise mit ihrem Liebhaber Adam Opel mag manchen ähnlich langweilig erscheinen wie Stillers Geschwafel, aber hier hatte jemand wenigstens Anspruch an Kostüme, Beleuchtung und Kamera, was im Übrigen als einziger Grund zählt, den Film Der Fremde von Francois Ozon zu sehen, ein ansonsten affektierter Schwarzweißfilm, der zu sehr an seiner literarischen Vorlage festhält um heutzutage noch viel zu bedeuten.</p>
<p>Der einzige Grund, warum <strong>Stiller</strong> und <strong>Der Fremde</strong> keine Cancel-Culture-Shitstürme auslösten kann eigentlich nur darin bestehen, dass alle Filmkritiker aus lauter Langeweile schon eingeschlafen waren, bevor ihnen klar werden kannte, dass hier etwas nicht stimmt und wir das Jahr 2026 und nicht 1956 schreiben. Wahrscheinlich sind Schriftsteller wie Albert Camus und Max Frisch immer noch die Lektüre wert, aber das gilt auch für andere, weniger offensichtliche die nicht auf jeder Literaturliste stehen und von Filmproduzenten als sichere Sache angesehen werden, wenn wieder mal ein Biopic oder eine Literaturverfilmung gefragt ist.</p>
<p>Experten bestehen darauf, dass Stiller nicht als Kurzgeschichte funktionieren würde und dass die langwierigen Details essenziell zum Roman gehören. Das sehe ich anders. Filme wie After the Hunt oder was Marielle weiß hatten Potenzial und das gilt auch für Stiller. Aber der Roman klingt so alt wie er ist und die Message geht im unerträglichen Geschwafel des unsympathischen Protagonisten unter.</p>
<h2>Verpasste Chancen in voller Buch- und Filmlänge</h2>
<p>P.S. Mich stört nicht die narrative Stagnation. Margaret Goldsmith’s Patience geht vorüber ist ein gutes Gegenbeispiel aus der Weimarer Zeit: anders als Stiller or Moshfegh’s Mein Jahr der Ruhe und Entspannung ist es kurz genug und nervt nicht mit repetitiver Selbstumkreisung. Die sarkastische Satire und berechtigte Kritik an der Reichen, aber desolaten, Gesellschaft ist einfach nicht lustig genug um ein ganzes Buch zu füllen, ohne jeglichen Versuch aus seiner beschränkten Blase auszubrechen. Besonders Millenials, vielleicht aufgrund ihrer Streaming-Serien-Sehgewohnheiten, mögen solche Bücher angeblich wirklich, aber vielleicht wollen sie sich auch bloß in ihren Booktoks hervortun, aus ähnlichen Gründen, aus denen ich diesen Beitrag schrieb.</p>
<figure id="attachment_7582" aria-describedby="caption-attachment-7582" style="width: 225px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7582 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-225x300.jpg" alt="Cover: Animals, My Year of Rest and Relaxation" width="225" height="300" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-225x300.jpg 225w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-768x1024.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-1152x1536.jpg 1152w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-scaled.jpg 1536w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/02/Animals-Year-of-book-covers-75x100.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><figcaption id="caption-attachment-7582" class="wp-caption-text">Buchcover</figcaption></figure>
<p>P.P.S. Vielleicht ist es doch ein Generations- und kulturelles Phänomen, denn ich sehe bei Despentes ähnliche, aber relevantere und weniger monotore Kritik, dafür eine dramatischere Entwicklung, in ihrer Vernon-Subutex-Trilogie, die ich bereits zuvor, zusammen mit anderen europäischen Büchern, im Artikel über <a href="https://www.open-mind-culture.org/3813/irrelevante-plattenverkaeufer-buchtipps/">irre Wolken, arbeitslose Plattenverkäufer und andere Buchtipps</a> diskutierte.</p>
<p dir="ltr">P.P.P.S. Keines der Bücher und keiner der Filme in diesem Beitrag verdient die Bezeichnung „das Schlechteste aller Zeiten“. Wären sie offensichtlich 100% Schrott, dann würde ich sie hier noch nicht einmal erwähnen. Aber es ist schade und ärgerlich, wenn vielversprechende und hochgelobte Titel ihr Potenzial verschenken und Erwartungen enttäuschen, während ganz andere Werke auf ihre verdiente Entdeckung warten!</p>
<h2>Einladung an Mr. White, sich neuen Erzählungen zu öffnen</h2>
<p>&#8222;Das Buch unserer Zeit&#8220; ist Stiller genausowenig wie die überschätzten Filmstoffe. Doch das wehleidige Selbstmitleid blasierter weißer Absteiger passt leider nur zu gut zum Gejammer der Journalisten und Stammtischgäste. Als &#8222;Mr. White&#8220; neu erfunden wird diese Persönlichkeit zwar kein bisschen klischeebefreiter aber immerhin kritikfähig sobald sie sich selbst und ihre Kultur mit den Augen anderer betrachtet. Anstatt immer wieder die gleichen Klischees zu wiederholen, sollte sich auch die FIlmindustrie besser mal nach neuen Narrativen und Stoffen umsehen und diese entsprechend promoten, schließlich gibt es auf der Welt ausreichend Auswahl.</p>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/2949/clashing-differences-augure-medusa-diversity-token/">Clashing Differences, Augure, and Medusa Deluxe</a> sind Filme, die leider wenig Beachtung fanden, dabei hätte zumindest Medusas Britischer Slang im Frisuersalon story is als frecher, witziger und stilvoller Indie-Film Potenzial für ein größeres Publikum. Baloji&#8217;s Augure habe ich übrigens immer noch nicht gesehen. So gesehen bin ich wohl auch noch &#8222;Mr. White&#8220; und sage mir selbst, dass ich daran arbeite.</div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6285/filme-buecher-pseudo-tiefgang-stiller-total-recall/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Filme und Bücher mit oder ohne Tiefgang&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum Kopfhörer feiern, aber Hörgeräte verschweigen?</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6171/warum-kopfhoerer-feiern-aber-hoergeraete-verschweigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 22:19:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fashion - Mode - Lifestyle]]></category>
		<category><![CDATA[berlin]]></category>
		<category><![CDATA[fashion]]></category>
		<category><![CDATA[hören]]></category>
		<category><![CDATA[mode]]></category>
		<category><![CDATA[music]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=6171</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was ist der Unterschied zwischen Brille und Hörgerät? Bei Brillenträgern denkt niemand die blicken gerade ins Metaverse...</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6171/warum-kopfhoerer-feiern-aber-hoergeraete-verschweigen/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Warum Kopfhörer feiern, aber Hörgeräte verschweigen?&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>Was ist der Unterschied zwischen Brille und Hörgerät? Bei Brillenträgern denkt niemand, es könnte um ein digitales Gerät handeln mit dem man in eine Virtuelly Realität eintaucht. Weile meine Hörgeräte nicht altmodisch aussehen, werde ich oft gefragt, ob ich einen Podcast höre. Sie finden es normal, wenn jemand in der Öffentlichkeit Kopfhörer trägt, und Hörgeräte als modisches Accessoire sind ihnen noch nie aufgefallen.</p>
<figure id="attachment_6190" aria-describedby="caption-attachment-6190" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6190 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-300x225.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-1024x768.jpg 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-768x576.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-100x75.jpg 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world-110x83.jpg 110w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/ads-and-real-world.jpg 1240w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6190" class="wp-caption-text">Ads and the real thing</figcaption></figure>
<h2>Hörgeräte sind &#8222;nicht cool&#8220;? Aber sind sie doch!</h2>
<p>Als ich erst als Erwachsener erstmals eine Brille bekam, fragte ich mich warum ich das nicht schon viel früher in getan habe. All die weit entfernten Details und die Leichtigkeit, Fahrzeuge und Spuren im Rückspiegel zu erkennen erleichterten meinen Alltag, abgesehen von der Gewöhnung ans Aufsetzen und Plegen der Brille. Manchmal nehme ich sie noch erleichtert am Abend von der Nase, aber ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie falsch sich meine neue Perspektive anfühlte, als ich beim ersten Anprobieren die Treppe im Optikerladen herunterstolperte. Meine Hörgerätegeschichte begann ganz ähnlich und ich frage mich, welche anderen nützlichen Verbesserungen mir vielleicht immer noch entgehen?</p>
<p>Zugegeben gestaltete sich der Einstieg mit Hörgeräten schon schwieriger als ein Brillenkauf. Von Vorurteilen abgesehen, scheinen Markt und Marketing Jahrzehnte hinter der Brillenmode zurückzuliegen! Ich weiß noch, wie in den Neunzigern viele dachte, Kontaktlinsen würden sehr bald alle Brillen überflüssig machen. Das Gegenteil war der Fall. Brillen wurden so modisch, dass viele sie sogar mit Fensterglas als modisches Accessoire tragen. Brillen waren &#8222;cool&#8220;.</p>
<p>Vielleicht liegt es daran, dass ich in einer Großstadt lebe, jedenfalls sehe ich persönlich keinen Mangel an coolen derartigen Hilfsmitteln, aber es mangelt ihnen an Marketing und Aufmerksamkeit. Man muss sich wirklich bemühen gute Hörgeräte zu finden die passen und cool aussehen. Außerdem muss man für Designermode und Zusatzfunktionen extra draufzahlen, aber das ist bei Brillen ja auch so. Wenn du in einer Kleinstadt wohnst, schau dich vorher online um, was es alles gibt bevor du zum Akustiker gehst, und bestehe drauf dass sie eine eventuell großväterliche Produktauswahl um Neues erweitern (außer wenn du es  großväterlich magst). Mehrere Werbekampagnen für Hörgeräte haben Designpreise gewonnen. Sie zeigen unter anderem coole Menschen die in der Disco tanzen, und das ist ein Stück Wirklichkeit, dass ich öfter in den Medien sehen möchte! Dank meiner Hörgeräte nehme ich wieder mehr Vogelstimmen und Musik schon aus der Ferne wahr, und sie schützen mein Gehör wenn ich laute Livemusik höre, denn sie dämpfen den Schall und verstärken nur das nötige bis zu einer Obergrenze die meinem Empfinden entspricht.</p>
<h2>Adaptive Fashion und barrierefreie Accessoires</h2>
<figure id="attachment_6191" aria-describedby="caption-attachment-6191" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6191 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/adaptive-300x297.jpg" alt="artistic drawstring design detail on adaptive fashion" width="300" height="297" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/adaptive-300x297.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/adaptive-150x150.jpg 150w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/adaptive-100x100.jpg 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/adaptive.jpg 589w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6191" class="wp-caption-text">drawstrings detail</figcaption></figure>
<p>Schon 2025 beim <a href="https://vorn-hub.com/design-academy-adapt-1" target="_blank" rel="noopener">VORN Fashion&#8217;s Design Academy ADAPT Showcase</a> mit Accessible und Adaptive Fashion bei der Berlin Fashion Week, habe ich gelernt, dass Adaptive Fashion schon längst von großen Onlinehändlern gut verkauft wird, und gleiches gilt für meine modischen Hörgeräten. Wir leben in keinem geheimen Paralleluniversum, die Teile sind bloß einfach so gut geworden, dass sie nicht mehr unbedingt auffallen. Mir fallen sie auch erst auf, seit ich selbst betroffen bin, und ich frage mich immer noch, welche von den vielen meist jungen Fahrgästen in der U-Bahn Hörgeräte und welche Kopfhörer tragen.</p>
<p><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Adaptive_clothing" target="_blank" rel="noopener">Adaptive clothing</a> ist ein Oberbegriff für funktionale Mode die sich den Bedürfnissen der Menschen konsequenter anpasst als das, was viele in der Modebranche immer noch unter Diversität missverstehen (ein curvy Model und eine dunkelhäutige einladen, damit nicht alle Models genau gleich aussehen). Zu Adaptive Fashion zählen Trenchcoats verstellbarer Länge, Hosen mit abnehmbaren Beinen und Schnitte mit zusätzlichen Reissverschlüssen, Bändern und Knöpfen durch die das An- und Ausziehen leichter wird. Bei der Show letztes Jahr beeindruckte mich eine gemeinsame Präsentation einer Designerin mit ihrem Model, die einen Designermantel zeigten der gut aussieht und nicht im Weg ist wenn man im Rollstuhl sitzt. Das taten beide, also wusste die Designerin gut bescheid, was potenzielle Kunden brauchen. Von der Anpassbarkeit profitieren auch Kunden die aus anderen Gründen nicht in die klassischen Modenormen passen.</p>
<h3>Accessibility Hushing</h3>
<p>Ich habe auch gehört und selbst erlebt, dass Menschen zögern, über Situationen zu sprechen, die sie nicht aus eigener Erfahrung kennen. Zwar ist es gut, wenn Menschen nachdenken und zunächst zuhören wollen, aber auch das garantiert nicht, niemals etwas unpassendes zu sagen, aber es besteht die Gefahr, auch dann zu schweigen, wenn wir eigentlich unsere Stimme erheben sollten. Auch wenn du dich selbst nicht behindert fühlst, frag doch beim nächsten Modeshopping mal nach Adaptive Fashion oder such danach in Onlineshops. Übrigens könnte es durchaus sein, dass du selbst zum Kundenkreis gehörst ohne es zu wissen. Meine Schwerhörigkeit und Sehschwäche war mir vor den Tests auch nicht bewusst gewesen.</p>
<p><a href="https://www.mollywatt.com/" target="_blank" rel="noopener">Molly Watt, eine coole und kreative Influencerin und barrierefreie UX-Expertin</a>, die ich ich schon auf zwei Konferenzen live erleben durfte, stellte meine Begriffe von gehörlos und blind nachhaltig infrage. Das muss schon gewesen sein, bevor diskutiert wurde, ob beide Begriffe nicht grundsätzlich abgeschafft gehören. Einmal zeigte sie ein Bild, wie die Welt in ihren Augen aussieht. &#8222;Blind&#8220; sein bedeutet nicht zwangsläufig überhaupt gar nichts zu sehen. Mollys Kunstwerk ähnelt einer Sternennacht oder einer künstlerisch bemalten analogen Kameralinse, in deren unscharfer Mitte deutlich ihr Hund auf einer grünen Wiese zu erkennen ist. Als Britin berichtet sie lustig von unlustigen Situationen, beispielsweise die App zur Steuerung ihrer Hörgeräte, deren Beschriftung sich weder vergrößern noch vorlesen lässt. Auf einem anderen Bild ist ein Text in Braille-Schrift zu sehen, der blinde Leser dazu auffordert, eine rote Signallampe zu beachten.</p>
<p>Accessibility Hushing könnte im positiven Sinne bedeuten, normaler und inklusiver zu kommunizieren und überholte Klischees und Stigmata zu vermeiden. Aber Schweigen über wichtige Dinge verstärkt oft unausgesprochene Vorurteile.</p>
<h3>Höre ich geheime Informationen?</h3>
<figure id="attachment_6189" aria-describedby="caption-attachment-6189" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6189 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/smiling-300x297.jpg" alt="smiling face man wearing glasses and hearing aids and a colorful shirt in a party location" width="300" height="297" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/smiling-300x297.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/smiling-150x150.jpg 150w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/smiling-100x100.jpg 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/smiling.jpg 589w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-6189" class="wp-caption-text">Do I look like a secret agent?</figcaption></figure>
<p>Ein weiterer Aspekt von Hilfsmitteln und adaptiver Mode ist eine Art halb scherzhafter Neid auf deren Besitzer, oft gepaart mit einem leichten Gefühl von Scham und Unsicherheit, wenn Umstehende plötzlich bemerken, dass die vermeintlich behinderte Person in Wirklichkeit „fähiger“ sein könnte als sie selbst. Fragen zu meinen Hörgeräten lauten typischerweise:</p>
<ul>
<li>Trägst du gerade Kopfhörer?</li>
<li>Hörst du besser als ich?</li>
<li>Hörst du geheime Informationen?</li>
<li>Nimmst du unser Gespräch auf?</li>
<li>Trägst du wirklich keine Kopfhörer?</li>
<li>Wo hast du sie her?</li>
</ul>
<p>Wenn du mich fragst, ob ich geheime Nachrichten empfange oder unser Gespräch aufzeichne, dann solltest du das auch alle anderen fragen, die Kopfhörer oder Smartphones benutzen. Übrigens könnte ich tatsächlich &#8222;geheime Informationen&#8220; abhören, wenn ich bereit wäre, in Super-High-Tech-Hörgeräte zu investieren. Glaubt man der Werbung, können die inzwischen in Echtzeit Sprachen übersetzen. Wie das in einem kleinen &#8222;Babelfisch&#8220; Platz hat und wie sie den Datenschutz sicherstellen, wäre eine genauere Recherche wert.</p>
<h3>Kann ich Kopfhörer als Hörgeräte verwenden?</h3>
<p>Scheinbar ist es nicht ganz so einfach, aber ich frage mich schon woran die vielen Firmen jahrelang forschen, um immer neue Generationen ihrer Bluetooth-Kopfhörer anzubieten, ohne den Hörgeräte-Markt zu bedienen. In einer App einen kurzen Hörtest machen und aus dem Audiogramm ein Lautstärkeprofil generieren und das für Musikwiedergabe und optionale Mikrofonverstärkung zu nutzen, das lassen sich die etablierten Hörgeräte-Hersteller gut bezahlen.</p>
<h3>Wo hast du so coole her?</h3>
<p>Die letzte Frage, wo ich sie gekauft habe, ist ein gutes Ziel auf dem Weg von Ignoranz zu Bestätigung. Wenn wir Hilfsmittel als genauso normale im Leben akzeptieren wie Brillen, Schmuck oder Uhren zu tragen, können wir sie als Teil unserer Kultur annehmen. Kultur die gestaltet und maßgeschneidert sein kann, kein Ausgleich, sondern Entscheidung und Bereicherung.</p></div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6171/warum-kopfhoerer-feiern-aber-hoergeraete-verschweigen/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Warum Kopfhörer feiern, aber Hörgeräte verschweigen?&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Analoge Zufalls-Postkarten: Postcrossing</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/6123/warum-ich-wieder-postcrossing-postkarten-verschicke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 16:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[inspiration]]></category>
		<category><![CDATA[kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Postkarte]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[web]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=6123</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie ein wiederbelebtes analoges Hobby Geschichten erzählt und Vielfalt fördert</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6123/warum-ich-wieder-postcrossing-postkarten-verschicke/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Analoge Zufalls-Postkarten: Postcrossing&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>Seit kurzem verschicke ich wieder Postkarten über Postcrossing. Ich habe immer gerne Postkarten geschrieben und empfangen, aber seit einem Zwischenmieten-Hopping nach meinem Umzug nach Berlin vor einigen Jahren hatte ich Postcrossing pausiert und vergessen. Freunden und Familienmitgliedern können wir sowieso schreiben, aber wem eigentlich sonst?</p>
<figure id="attachment_6097" aria-describedby="caption-attachment-6097" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6097 size-full" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcard-collage.jpg" alt="postcards collage" width="1024" height="797" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcard-collage.jpg 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcard-collage-300x233.jpg 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcard-collage-768x598.jpg 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcard-collage-100x78.jpg 100w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6097" class="wp-caption-text">Collage einiger Postkarten und Flyer der letzten Jahre und ein Satz Briefmarken.</figcaption></figure>
<h2>Was ist Postcrossing?</h2>
<p style="text-align: left;" data-pm-slice="1 1 []"><a href="https://www.postcrossing.com/" target="_blank" rel="noopener">Postcrossing</a> ist eine kostenlose gemeinnützig Web-Plattform auf Spendenbasis, die Menschen aus aller Welt verbindet und potenzielle Sender und Adressaten per Zufall zusammenbringt. Onlineprofile verraten Vorlieben, Hobbys und was gar nicht geht. Bei manchen stehen lange Listen, einigen scheint es egal, aufgeschlossen und freuen sich über alles, was in ihrem Briefkasten landet.</p>
<p data-pm-slice="1 1 []">Postcrossing kann versandte Karten protokollieren und Collages und Diashows der gesendeten, empfangenen und als Favoriten markierten Karten als Archiv und Inspiration zusammenstellen, natürlich nur von den Vorderseiten. Die Rückseiten, Namen, Adressen und persönliche Nachrichten bleiben stets geheim.</p>
<p>Postcrossing kann uns dazu inspirieren, Kontakte zu knüpfen und die Freude am weltweiten Versenden und Empfangen echter wiederzuentdecken. Klingt ein wenig irrelevant, aber schön, umso mehr in einer Welt in der unser alltägliches Leben so sehr von digitalen sozialen Medien beeinflusst ist, die wiederum von KI und Algorithmen kontrolliert werden. Handgeschriebene Postkarten mit Poststempeln die den Weg rund um die dokumentieren und von einem echten Menschen zugestellt wurden, atmen vielleicht sogar noch ein wenig die Düfte ihrer Reise vom Zimmer des Verfassers und von allen Stationen ihrer langen Reise.</p>
<h2>Was Menschen an Postkarten lieben</h2>
<p>Ich habe in verschiedenen Städten gelebt und wurde inspiriert von Menschen, denen ich auf Reisen und bei privaten und geschäftlichen Aktivitäten offline und online begegnet bin. Als Webentwickler kommuniziere ich viel digital. Aber Papier kann ich in der Hand halten, anfassen und daran riechen, und es existiert auch ohne elektrische Geräte. Wir können mit farbenfrohen Stiften schreiben und malen, individuelle Handschriften entziffern und internationale Alphabete lesen lernen. Manche Postcrosser liebe diese Authentizität und Vielfalt so sehr, dass sie um Texte in der Muttersprache der Absender bitten.</p>
<p>Jede Karte ist wie ein Fragment einer größeren Geschichte, ein Einblick in ein anderes Leben, auf Hobbys, Arbeit und Alltag einer anderen Welt. Wie viele kleine Bücher, die alle von echten Menschen handeln. Aber dieses kleine Fragment ist auch schon alles. Es braucht nicht viel, um eine Karte auszusuchen, zu beschriften und zu verschicken, um ein solches Fragment mit einem anderen Menschen zu teilen. Du kannst auch freundliche Grüße, Wünsche und gute Nachrichten verschicken und so ein bisschen mehr Freude auf der Welt verteilen.</p>
<p>Viele Postkarten sind schöne kleine Kunstwerke, Collagen, Zeichnungen, zeitgenössische oder historische Fotografie.</p>
<h2>Briefmarken und Poststempel</h2>
<p>Briefmarken bringen ein weiteres Element ins Spiel. Sonderausgaben zu aktuellen Ereignissen, Kunstwerke und farbige Ränder liebevoll gestalteter Markensets führen zwar schnell zu Platzproblemen, wenn man das Porto nicht als einzelne Marke sondern als kleine Rechenaufgabe mit ungewöhnlichen Kleinbeträgen zusammenklebt. Sie bieten aber auch mehr Platz für Poststempel und die Gelegenheit, mehr verschiedene Motive zu kombinieren. Wenn eine Postkarte ins Ausland 125 Cent kostet, kann ich beispielsweise eine der vielen Inlandsmarken für 95 oder liegengebliebene Vorgänger zu 85 Cent mit zwei Fünfzehnern und nötigenfalls einer zusätzlichen Zehner zu kombinieren. Ungestempelt sieht das ganze dann so aus, gestempelt ähnlich wie rechts mit Auslandsmarken aus Hong Kong:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-6178 size-full" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/hong-kong-germany-post-stamps.png" alt="Chinese and German post stamps" width="872" height="463" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/hong-kong-germany-post-stamps.png 872w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/hong-kong-germany-post-stamps-300x159.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/hong-kong-germany-post-stamps-768x408.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/hong-kong-germany-post-stamps-100x53.png 100w" sizes="auto, (max-width: 872px) 100vw, 872px" /></p>
<h2>Pro und Contra: Gründe dagegen</h2>
<p>Ich kann mir mehrere Gründe vorstellen, nicht mitzumachen. Vielleicht interessieren dich Postkarten einfach nicht. Vielleicht sorgst du dich aber auch um deine Sicherheit, hast Angst vor Enttäuschung oder dass du keine passenden schönen Postkarten findest, mit denen du jemandem eine Freude machen oder eine kleine Inspiration schicken kannst. Vielleicht hast du nicht genug Geld oder keine permanente Postanschrift. Meiner Erfahrung zufolge sind es vor allem drei mögliche Gründe, die gegen Postkartenaustausch und Brieffreundschaften sprechen.</p>
<h3>Wie kann ich ohne feste Postanschrift Postkarten empfangen?</h3>
<p>Die meisten Menschen brauchen ohnenhin aus beruflichen oder rechtlichen Gründen eine Postanschrift. Ohne entsprechenden Wohnsitz gibt es vielleicht einen Freund, eine Freundin, ein Postfach oder eine c/o-Adresse am Arbeitplatz oder im Coworking-Space.</p>
<h3>Mögliche Gefahren und wie du Postcrossing sicher verwendest</h3>
<p dir="ltr">Was wäre das schlimmste, was dabei passieren könnte? Die Plattform scheint ihre strengen Richtlinien jedenfalls erfolgreich durchzusetzen. Ich habe bisher noch keine Bilder von Textseiten meiner Postkareten online gesehen. Postanschriften werden nur den vorgesehenen Absendern gezeigt. Es gibt kein offizielles öffentliches Adressbuch, und neue Mitglieder sehen zu jedem Zeitpunkt höchstens fünf andere Adressen. Trotzdem kann sich jeder auf der Plattform anmelden, und Server können gehackt werden. Alias-Postfächer, Freunde und Arbeitsadressen wären Alternativen zur Veröffentlichung der eigenen Privatanschrift.</p>
<h3 dir="ltr">Alias, Spitznamen, Postfächer und Community-Richtlinien</h3>
<p dir="ltr">Viel verwenden Spitznamen oder Abkürzungen, eindeutig genug, damit Karten ihr Ziel erreichen, aber ohne unnötig viele persönliche Details zu verraten.</p>
<p dir="ltr">Es gibt Länder und Situationen, wo Menschen überwacht werden und Post geöffnet wird. Verdächtige Aktivitäten können die Karriere gefährden oder Druck und Strafverfolgung veranlassen, wenn jemand verbotenes Material wie LGBTQ+ Inhalte oder regierungskritische Post erhält. Postcrossings Richtlinien untersagen politische und religiöse Propaganda und Hassrede. Üblicherweise versuchen Postcrossing-Mitglieder sich zudem an die ausdrücklichen Vorlieben zu halten und verschicken normalerweise keine aufwieglerischen Kunstwerke oder radikale Texte. Aber man kann natürlich nie wissen. Allerdings ist das kein spezielles Postcrossing-Problem, sondern gilt für jegliche internationale Post, sowohl auf Papier als auch auf digitalen Kanälen. Menschen in autoritären Staaten oder stark überwachten Umgebungen kennen das Risiko leider schon.</p>
<h3>Können Postkarten enttäuschen?</h3>
<p>Enttäuschung und verletzte Gefühle sind hier ein unterschätztes, aber sehr viel wahrscheinlicheres Risiko. Gerade nach vielen schönen Erfahrungen und Empfehlungen erwarten wir oder verlassen uns gar darauf, immer wieder aufs neue positiv überrascht zu werden. Doch es gibt auch unangenehme Überraschungen, manchmal auch gut gemeinte. Ein schönes Postkartenmotiv könnte traurige Erinnerungen an einen geliebten Menschen oder Ort hervorrufen. Witzig gemeintes kann übergriffig ankommen.</p>
<p>Als Absender könnten wir wiederum an überambitionierten Ansprüchen scheitern, wenn wir alles zu gut machen wollen und jedem Empfänger einen individuellen Text auf die perfekte Wunschpostkarte schreiben. Vergessen wir nie, dass wir hier nicht an enge Freunde oder Familie schreiben und dass es doch nur ein Hobby ist.</p>
<h2>Pro und Contra: Warum Postcrossing cool ist</h2>
<h3>Einfache und eingeschränkte Intimität</h3>
<p>Die Standardeinstellungen machen den Einstieg leicht und haben verschiedene Vorteile.</p>
<p>Kontakte sind einfach hergestellt und bleiben beschränkt. Wer schreiben und lesen kann, darf mitmachen.</p>
<p>Schlechte Motiv- und Wortwahl tun nicht allzu weh, weil wir wissen, dass es immer nur einen von vielen Zufallskontakten betrifft und die meisten sind entweder nett oder sogar angenehm überraschend.</p>
<p>Wenn du unbedingt eine bleibende Verbindung jenseits der einen einmal-im-Leben-Postkarte herstellen willst, besteht später online die Möglichkeit. Außerdem kannst du das in deinem Postcrossing-Profil vermerken und selbst deine Absenderadresse angeben, um bei gegenseitigem Interesse langfristige Brieffreundschaften einzugehen.</p>
<h3>Kleine Geschichten erzählen</h3>
<p>Auch deine eigene Umgebung siehst du vielleicht plötzlich mit anderen Augen, auch wenn du nicht an einem besonderen Ort voller Kunsthandwerksboutiquen oder Underground-Künstlerateliers lebst.</p>
<p>Stell dir vor, du bekommst eine Postkarte von einem wunderschönen See in Japan und ziehst im Gegenzug einen Empfänger in Taiwan, der gerne strickt und zeichnet, inspiriert von einer berühmten Comicfigur, von der du noch nie twas gehört hast. Seine Liebslingsfarbe sei, sagen wir mal, blaugrün und die Person liebt Bilder historischer Regenschirme. Wenn du später spazieren gehst, fällt dir vielleicht zum ersten Mal ein Fachgeschäft für Regenschirme auf und das einer deiner Nachbarn ein blaugrünes Fahrrad fährt. Du fragst dich, was historische Schirme von modernen unterscheidet und erinnerst dich auf einmal an ein Foto des Schauspielers Charlie Chaplin, wo er mit einem Regenschirm tanzent posiert.</p>
<figure id="attachment_6114" aria-describedby="caption-attachment-6114" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-6114 size-large" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2-1024x808.png" alt="Postcrossing wall of favorites screenshot" width="1024" height="808" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2-1024x808.png 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2-300x237.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2-768x606.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2-100x79.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/01/postcrossing-wall-of-faorites-screenshot-2.png 1368w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6114" class="wp-caption-text">Meine digitalen Postkartenwand bei Postcrossing</figcaption></figure>
<p>Obwohl meine digitale Postkartenwand aktuell weniger als vierzig versandte und weitere an die vierzig empfangene Postkarten zeigt, erscheint mir das schon erstaunlich viel. Manche Menschen haben aber mehrere tausende Postkarten verschickt und bekommen. Das muss nicht unbedingt nerdy sein, sondern open-minded! Besonders, wenn sie aus einem bestimmten Grund keine Weltreise machen können sondern viel Arbeit und wenig Geld haben oder kranke oder alte Angehörige pflegen müssen. Karten auszusuchen und zu schreiben ist kreativ, und jede Karte im Briefkasten ist wie der Klappentext eines weiteren neuen Buches. Das regt die Fantasie viel mehr an als Fernsehen oder Streaming-Serien.</p>
<p>Wenn ich dich jetzt neugierig gemacht habe, lass dich inspirieren und probiere es selbst mal aus!</p></div>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/6123/warum-ich-wieder-postcrossing-postkarten-verschicke/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Analoge Zufalls-Postkarten: Postcrossing&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Musikgeschmack als Spotify-Pudding?</title>
		<link>https://www.open-mind-culture.org/5977/spotifys-streaming-pudding-heiss-oder-zu-cool/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[<span class='p-author h-card'>Ingo Steinke</span>]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 11:48:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[hören]]></category>
		<category><![CDATA[kunst]]></category>
		<category><![CDATA[music]]></category>
		<category><![CDATA[spotify]]></category>
		<category><![CDATA[streaming]]></category>
		<category><![CDATA[technology]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.open-mind-culture.org/?p=5977</guid>

					<description><![CDATA[<p>Musik-Streaming ist anfangs heiß wie ein Pudding. Aber was steckt wirklich hinter Höralter und Musikgeschmack-Algorithmen?</p>
<p>The post <a href="https://www.open-mind-culture.org/5977/spotifys-streaming-pudding-heiss-oder-zu-cool/">&lt;span class=&#039;p-name&#039;&gt;Musikgeschmack als Spotify-Pudding?&lt;/span&gt;</a> appeared first on <a href="https://www.open-mind-culture.org">Open Mind Culture</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class='e-content'>
<p style="text-align: left;"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-5953 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/pudding-recap-300x216.png" alt="The Pudding Cool recap: Your Spotify was you've gotten into fights over divas Nineties dorm room 80's punk bad" width="300" height="216" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/pudding-recap-300x216.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/pudding-recap-100x72.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/pudding-recap.png 525w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Musikstreamingdienste sind wie süßer Pudding: anfangs sehr heiß, wenn sie noch neu sind, und für jeden Geschmack gibt es den passenden Pudding! Findest du dein Spotify Wrapped und Discover Weekly immer noch spannend oder ist dein Spotify Pudding schon abgekühlt? The Pudding.Cool ist auch der Name eines satirischen Magazins, deren alternative Musigeschmackanalyse &#8222;cool music taste&#8220; ironisch verspottet. Das Ganze geht immer noch ein wenig viral, Jahre nachdem ich hier über <a href="https://www.open-mind-culture.org/1558/pudding-analyse-vong-spotify-musikgeschmack/">ihre Analyse meines eigenen Musikgeschmacks</a> berichtete. Statistiken können ja lügen, besonders wenn du mit Spotify als Hobby-DJ für Freunde und Familie auflegst. Aber vielleicht fühlt du dich dennoch ertappt, also warum nicht mal selbst den <a href="https://pudding.cool/2021/10/judge-my-music/" target="_blank" rel="noopener">Pudding Cool Soundcheck</a> ausprobieren?</p>
<h2>Wie schlecht ist mein Spotify?</h2>
<p>Eigentlich ist das die falsche Frage. Frag nicht &#8222;wie schlecht ist mein Spotify,&#8220; sondern &#8222;wie schlecht (oder böse) ist Spotify?&#8220; Als weltweit beliebtester Musikstreamingdienst steht Spotify zunehmend in der Kritik, weil sie KI-Musik puschen, Künstler nicht fair bezahlen und wegen politischer und finanzieller Aktivitäten ihrer Manager. Spotify-Alternativen wie Qobuz oder Tidal funktionieren ähnlich und wir können unsere bestehenden Spotify-Playlists zu anderen Streaminganbietern umziehen, die oft auch kostenlose Probemonate anbieten.</p>
<p>In diesem Artikel geht es aber um andere Aspekte von Musikstreaming, vor allem wie es unseren Musikgeschmack beeinflusst.</p>
<h2>Formt die profitable Musikindustrie unseren Musikgeschmack?</h2>
<p><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-5951 size-medium" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits-300x202.png" alt="Music industry profits excerpt from 2024 RIAA report" width="300" height="202" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits-300x202.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits-768x516.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits-100x67.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/RIAA-2024-music-industry-profits.png 991w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p>Wie schlecht ist unser Musikgeschmack und wer ist daran schuld? Manche sehen Streaming ernsthaft als Ersatz für fehlende Konzerte, gute Alben und Radiosender. Plattenfirmen schafften sich scheinbar selbst ab durch die Einführung digitaler Musik, doch es gibt immer noch eine Musikindustrie und sie macht mehr Geld als jemals zuvor (laut <a href="https://www.riaa.com/wp-content/uploads/2025/03/RIAA-2024Year-End-Revenue-Report.pdf" target="_blank" rel="noopener">The Recording Industry Association of America&#8217;s annual report 2024</a>) wobei Streaming den Großteil der Gewinne erwirtschaftet.</p>
<p>Die Musikindustrie verdient also immer mehr, während sie viele Mitarbeiter entlässt, ebenso wie Radiosender Stellen streichen für erfahrene DJs und Musikjournalisten. Die meisten Bands können von ihrer Musik nicht mehr leben, teilweise auch wegen KI-generiertem Kitsch. Ist der technologische Fortschritt also wieder mal falsch abgebogen? Ich glaube, es liegt nicht an der Technologie, sondern daran, wie wir sie in unserer kommerzialisierten Gesellschaft einsetzen.</p>
<h3>Menschen lieben Musik</h3>
<p>Warum hören Menschen überhaupt Musikaufnahmen? Viele Menschen singen nicht und spielen kein Instrument, aber Musik lieben sie trotzdem. Jeder hat bestimmte Lieder, die wir immer wieder hören können und die uns immer wieder Freude bereiten. Aber das sind nicht für jeden die gleichen Lieder. Das nennt sich Musikgeschmack. Leider wird selbst der beliebteste Song mit der Zeit langweilig oder nervig, sodass wir unseren Geschmack mit Entdeckungen kombinieren müssen. Das Konzept von Geschmack und Genres kann uns dabei helfen, neue Musik zu entdecken, die uns wahrscheinlich gefallen wird. Allerdings ist die heutige Musikszene abseits von Mainstream-Top-Popstars sehr vielfältig und fragmentiert.</p>
<h2>Genre-ification: wie kann ich meinen Musikgeschmack analysieren?</h2>
<p dir="ltr">Existieren musikalische Genres überhaupt und spielen sie eine Rolle? Wie hilfreich sind willkürliche Genrelisten wie die klassischen MP3-Kategorien mit Genres wie &#8222;Acid Punk&#8220;, &#8222;Lo-Fi&#8220; und &#8222;Oldies&#8220;, oder Spotifys ständig wechselnde Mikro-Genres die aufkommende Trends gleichermaßen abbilden und mitgestalten mithilfe von Machine Learning und menschengemachter Kuratierung? Wer entscheidet, welche Genres wie heißen und welche Künstler sie repräsentieren? Verkaufszahlen, Anzahl der Hörer, ausgebildete Experten oder Algorithmen? Und wenn Algorithmen das regeln, kann ich sie trainieren und tunen?</p>
<p dir="ltr"><a href="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-scaled.png"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5949 size-large" src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-1024x444.png" alt="Musical generes: house, alternative hip hop, indie rock, world, soul, electronica, German indie, afro house, organic house, indie sould, blues, classic rock ..." width="1024" height="444" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-1024x444.png 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-300x130.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-768x333.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-1536x667.png 1536w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-2048x889.png 2048w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/musical-genres-1-100x43.png 100w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></p>
<h3 dir="ltr">Werden Streaming-Plattformen meine musikalischen Vorlieben respektieren?</h3>
<p dir="ltr">Strategien für passendere Empfehlungen:</p>
<ul>
<li dir="ltr">Folge deinen Lieblingskünstlern.</li>
<li dir="ltr">Bevorzuge handgemachte kuratierte Playlisten,</li>
<li dir="ltr">benutze die Funktion &#8222;spiele Song Radio&#8220;.</li>
<li dir="ltr">Erstelle eigene, kurze und stimmige Playlisten,</li>
<li dir="ltr">höre sie häufig,</li>
<li dir="ltr">mach ie offline verfügbar, um Energie zu sparen, und</li>
<li dir="ltr">vermeide <a href="https://community.spotify.com/t5/Implemented-Ideas/All-Platforms-Option-to-have-a-true-shuffle/idi-p/4880594" target="_blank" rel="noopener">sogenanntes &#8222;Smart Shuffle&#8220;</a> und dessen kommerzielle Empfehlungen.</li>
</ul>
<p>Doch selbst die besten Strategien zum Tunen deiner algorithmischen Musikempfehlungen können nicht verhindern, dass es irgendwann langweilig wird, nervt und sich wiederholt. Und so sehr wir uns um Unabhängigkeit bemühen mögen, werden Streamingdienste weiterhin versuchen, dir das gleiche &#8222;Radio Gaga&#8220; anzubieten wie die meisten Radiosender.</p>
<h3 dir="ltr">Geschmacksspezifische vs. kuratierte Radio-Playlisten</h3>
<p dir="ltr">Apropos Radio: ich habe früher viel BBC BBC-DJs gehört und auch heute gibt es noch viele Persönlichkeiten im Radio, wie das musikalische Quartett vom Soundcheck auf radio eins (<a href="https://www.radioeins.de/programm/sendungen/soundcheck/" target="_blank" rel="noopener">Soundcheck &#8211; das musikalische Quartett</a>). Aber leider wird es einige andere langjährige Sendungen wie &#8222;Happy Sad&#8220; ab 2026 nicht mehr geben. Der Soundcheck hebt sich von den meisten anderen Formaten ab, weil hier in derselben Sendung abweichende Meinungen und Geschmäcker diskutiert und eine diverse Bandbreite musikalischer Alben vorgestellt werden, von den obskursten experimentellen Künstlern bis hin zu bekannten Popstars.</p>
<p dir="ltr">Es ist schon sinnvoll, sich alle Stücke auf einem Album in der von den Künstlern vorgesehenen Reihenfolge anzuhören. Auch Spotify-Playlisten anderer Hörer entfalten ihre eigentliche Bedeutung am besten ohne Shuffle und die eigene algorithmische Filterblase. Vielleicht sage ich so etwas bloß, weil ich alt bin und früher Musikkassetten aufgenommen habe, deren Reihenfolge gar nicht umsortierbar war. Ehrlich gesagt muss ich zugeben, Musik nur noch auf diese altmodische Weise anzuhören. Scheinbar hat das Musikstreaming mein musikalisches Alter schon manipuliert.</p>
<h2 dir="ltr">Was ist mein musikalisches Höralter?</h2>
<p>Kennst du dein musikalisches Alter? Meins war dieses Jahr zwanzig, glaubt man Spotify Wrapped. Aber wenn ich Spotifys jährliche Auswertungen und die von Pudding Cool über mehrere Jahre hinweg vergleiche, dann scheint sich mein Musikgeschmack etwa alle zwei Jahre komplett zu verändern. Ein Radiomoderator berichtete, sein Spotify -Höralter sei 85, wahrscheinlich weil er gerne Delta Blues hört. Der konzeptionelle Fehler scheint offensichtlich. Die meisten über 80-jährigen, zumindest die, die ich kenne, benutzen gar keine Streamingdienste, aber viele junge Leute benutzen sie sehr viel.</p>
<figure id="attachment_5962" aria-describedby="caption-attachment-5962" style="width: 709px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-5962 " src="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram-1024x519.png" alt="Listening age 20: age is just a number vs. audiogram" width="709" height="359" srcset="https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram-1024x519.png 1024w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram-300x152.png 300w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram-768x389.png 768w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram-100x51.png 100w, https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2025/12/listening-age-sound-audiogram.png 1040w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /><figcaption id="caption-attachment-5962" class="wp-caption-text">Alterr ist nur eine Zahl? Musikalischen Höralter und ärztliches Tonaudiogramm</figcaption></figure>
<p>Der von Spotify erfundene Messwert ist vielleicht ein kreatives Wortspiel, aber es gibt tatsächlich ein medizinisches Höralter, das die Entwicklung des kindlichen Hörvermögens und altersbedingte Schwerhörigkeit beschreibt. Das Spotify&#8217;sche Höralter ergibt wenig Sinn und scheint zwischen sehr jungem und vermeintlich betagten Hörgewohnheiten zu polarisieren, das ergab zumindest eine nicht repräsentative Umfrage unter meinen Partygästen.</p>
<h2 dir="ltr">Verdirbt Spotify den Musikgeschmack?</h2>
<p dir="ltr">Also: verschlimmert Spotify schlechten Musikgeschmack? Wäre es besser, ich würde nur noch Bandcamp hören und ausgewählte Vinyl-Alben aus dem Plattenladen? Ich glaube, es geht weniger um das Medium als darum, wie wir es nutzen. Ja, wir sollten Bands auf Bandcamp und im echten Leben folgen, unsere örtlichen Plattenläden unterstützen und auf Live-Konzerte gehen. Wir sollten Bands und DJs für wichtige Events buchen. Dennoch möchte ich im Alltag nicht immer wieder die gleichen Alben hören. Am Ende gibt es sowieso kein objektives Maß von &#8222;gutem Musikgeschmack&#8220;. So etwas existiert einfach nicht, und &#8222;Analysen&#8220; wie The Pudding&#8217;s Cool Spotify können uns daran erinnern, dass das Hören der richtigen Bands und der richtigen Art von Musik uns nicht zu besseren Menschen macht. Das kann uns auch ermutigen, unseren musikalischen Horizont zu erweitern und mit offenen Ohren ganz neue Musik zu entdecken. Aber, genau wie Spotifys jährliche Wrapped-Auswertung, ist jede Art von Statistik über Musikgeschmack oder musikalisches Alter bloß als augenzwinkernde Unterhaltung zu verstehen.</p>
<h3 dir="ltr">Künstler unterstützen und weniger toxisch streamen</h3>
<p dir="ltr">Streamingdienste wie Spotify können uns inspirieren und uns dabei helfen, neue Musik im Rahmen unseres bestehenden Musikgeschmacks zu entdecken. Aber sie können unseren Musikgeschmack auch verschlechtern und manipulieren, auch indem sie uns Fake-Bands unterjubeln, die mit KI erstellt wurden und keine faire Bezahlung verlangen, um ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Das sollten wir niemals vergessen!</p>
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