Im „toten Internet“ lassen wir Maschinen für uns schreiben und lesen. Informationsknappheit war gestern, das Internet leidet an Informationsverschmutzung. Schreiben ist immer noch sinnvoll, aber wie gelingt es ohne KI-Vergiftung (Writing still matters. But if it does, how to do it right and avoid AI intoxication?)

Toxizität in der Popkultur

Lone penguin, northern lights and colorful screensInformation wird toxisch when Desinformation, Propaganda, Troll- und KI-generierte Wiederholung den Kontext vergiftet. Feedbackschleifen verstärken Fehler, Stereotype und Halluzinationen, und zwar mit oder ohne KI. Algorithmische Echokammern verstärken, was Leute gern hören oder was die Plattformen und ihre Sponsoren dafür halten. Soziale Medien belohnen toxisches Verhalten und die Popkultur ist nicht besser. Trotz ihres sozialen Aspekts können Online-Communities Einsamkeit, Ärger und destruktive Tendenzen verschlimmern. Kürzlich wurde ein Pinguin, der sich von seinen Artgenossen abwendet und in die eisigen Berge aufbricht, als „Meme des nihilistischen Pinguins“ gefeiert. Andererseits kommt aus der Popkultur auch mehr oder weniger ironische Kritik an toxischer Kultur und sozialer Ungerechtigkeit. „Toxicity“ von System of a Down oder „Vergiftet“ von Jan Delay greifen das sogar wörtlich in ihren Songtexten und Titeln auf, vielleicht als Wortspiel mit der mittelalterlichen Weisheit „nichts ist ohne Gift und ohne Gift ist nichts, nur auf die Dosis kommt es an.“

Toxzität überwinden

Probleme zu benennen kann bei ihrer Lösung helfen. Vielleicht geht es im Pop gerade darum, Aufmerksamkeit zu schaffen und persönliche Erfahrungen und Beobachtungen zu teilen. Mehrdeutigkeit ist ein wichtiger Aspect der Kunst, sonst wäre sie Edutainment oder Propaganda. Also liegt die Interpretation immer im Ohr und Auge der Betrachter. KI-Kunst wurde für ihre Platitüden und Stereotype kritisiert, doch ihre Zufallsaspekte and unerwarteten Missverständnisse der ursprünglichen menschlichen Intention bringt Mehrdeutigkeit zurück ins Spiel. Für diesen Artikel habe ich KI einige surreale Kunstwerke nach Vorlage beliebter Bilder und meiner Notizen erzeugen lassen. Als Stilvorlage dienten andere KI-Bilder im retrofuturistischen Synthwave-Neon-Style. Ungefragt erhielt ich Nordlichter und Fernsehbildschirme als kritische Hinweise auf unsere digitale Onlinekultur und ihre analogen Vorläufer denen Antwort- und Mitmachmöglichkeiten fehlten.

Vergiftung und ihre Doppelbedeutung

Pipe Dream Robot

Ein weiteres auffallend kitschiges KI-Kunstwerk, erneut in Lila- und Türkistönen gehalten und mit Fernsehern auf dem Boden, zeigt einen Spielzeugroboter mit einer Glaspfeife am Mund aus der neonfarbene Formen und eine Sprechblase entstehen. Was aussieht wie ein Kind, das Seifenblasen bläst, war mein Versuch, das Wort „Pipe Dreams“ (Träume, Hirngespinste, Luftschlösser) zu illustrieren. Ein kiffender Roboter der mit einer Wasserpfeife Drogen konsumiert ist eine andere mögliche Interpretation derselben Illustration.

Auch der Begriff „Vergiftung“ (Intoxication) hat eine doppelte Bedeutung.

Halluzinierende Chatbots erinnerten mich an Menschen auf Drogen („intoxicated on drugs“) die Unsinn und Träume erzählen. Vergiftung bezeichnet aber auch die Handlung des Vergiftens. Trotz der negativen Konnotation des Begriffs gab es in der Menschheitsgeschichte schon immer absichtliche Vergiftung auf der Suche nach Inspiration und religiöser Offenbarung. Affen und andere Tiere essen vergorene Früchte und werden vom enthaltenen Alkohol betrunken.

Artefakte und Informationsverluste

Obschon unsere Gesellschaft zumindest den Zahlen zufolge immer produktiver und kreativer wird, korreliert geschwinde Contentkreation nicht mit Qualität. Jedenfalls nicht im positiven Sinne. KI Slop ist bloß die jüngste Variation von schrottigem Content, früher von Junior-Werbetexter:innen handgefertigt nach Marketingrezepten um flache Inhalte aufzublasen. Klischeeverdächtige Titelformulierungen wie „Das habe ich gelernt“ oder „7 Songs, die jeder Kreative kennen sollte“ erregen zwar mein Misstrauen, aber manchmal verbirgt sich sinnvolles dahinter. Immerhin trägt KI zur Demokratisierung der Content-Erstellung bei und hilft Menschen, ihre Erfahrungen und Meinungen zu äußern, denen das bisher nicht möglich war.

Allerdings wird es immer schwerer, in den großen Massen neuer Inhalte wertvolle Informationen zu entdecken. Die zunehmende Menge an Inhalten verschlechtert das Signal-Rausch-Verhältnis, und neue Generationen von Sprachmodellen der künstlichen Intelligenz werden mit Texten und Bildern trainiert, die vielfach von ihren Vorgängern erzeugt oder bearbeitet wurden.

Sogenannte synthetische Daten verlieren wiederum noch leichter den menschenlichen Faktor und authentischen Input aus den Augen und entfernen sich noch weiter vom echten Leben und dem, worauf es wirklich ankommt. Trotz vermeintlicher Produktivitätssteigerungen und technologischer Fortschritte gelangt es der Gesellschaft bisher nie, die größten Probleme der Menschheit zu lösen. Neue Technologien verschärfen sie sogar. Atomenergie war eine umstrittene Technologie des 20. Jahrhunderts. Künstliche Intelligenz als neue Hoffnung und Herausforderung ist bereits ein Symbol für das beginnende 21. Jahrhunderts. Doch in ihrer jetzigen Form wird sich KI wohl nicht durchsetzen. Das zumindest legt der Blick auf die Entwicklung der Luftfahrt nahe, eine weitere bahnbrechende Technologie, die vor gut 100 Jahren die Welt veränderte.

Hindenburg- und Habsburg-Szenarios

Zeppelin-Luftschiffe schwebten langsam am Himmel, so wie in Steampunk-mäßigen Parallelweltszenarien, hätte nicht der Hindenburg-Zeppelin nach einer erfolgreichen Atlantiküberquerung kurz vor der Landung Feuer gefangen. Ein „Hindenburgmoment der KI,“ befürchten manche Experten, könnte das Vertrauen verspielen und den Hype beenden. Hindenburg ist nicht zu verwechseln mit dem ähnlich klingenden Schlagwort Habsburg, das ebensfalls zur Voraussage einer düsteren Zukunft für die heutige KI fällt, benannt nach der Habsburger Monarchie deren zahlreiche Krankheitsfälle auf Inzucht zurückgeführt wurden.

Der Habsburger Effekt wirkt wahrscheinlicher. Er geschieht schon jetzt, und ähnliche Verschlechterungseffekte lassen sich überall beobachten.Stille Post und ähnliche Kinderspiele, wo geflüsterte Botschaften von Verhörern und Missverständnissen verzertt werden, sind noch lustig. Derselbe Effekt enttäuscht oder inspiriert im erwachsenen Alltagsleben: eine Fotokopie einer Fotokopie einer Fotokopie, eine Kopie einer Kopie einer Kopie einer analogen magnetischen Tonbandaufnahme einer verkratzen Schallplatte, oder die eckigen Artefakte die beim Hineinzommen in digital Bilder erscheinen, die mehrfach verlustreich komprimiert wurden.

Artifact Artwork

Dieses Originalkunstwerk veranschaulicht verschiedene Arten von Artefakten, Verzerrungen und Verschleißerscheinungen, die verlustbehaftete Reproduktion verursacht.

I habe auch hier KI verwendet um ein Ausgangsbild zu generieren, das wiederum dem violetten Science-Fiction-Stil treu bleibt und mit Kästchen, kleinen Quadraten und analoges Rauschen simuliert. Die rechte Hälfte und mehrere kleinere Bereiche auf der linken Seite habe ich dann mit dem Pixelate-Filter von GIMP retuschiert, als Kontrast zu den klareren Details in der linken Mitte, bevor ich das Bild schließlich mit einer niedrigen JPEG-Qualität von 20 % komprimiert exportiert habe, um „echte“ Artefakte zu erzeugen, die Bilder ungewollt verfremden, wenn wir es nicht erwarten..

Mische, prüfe und beobachte kritisch

Wenn Künstler und Autor:innen weiterhin verschiedene Ansätze und Technologien kombinieren, KI als Assistenten nutzen, ihren eigenen Stil, ihre Inspiration und ihre Erfahrung einbringen und Fakten anhand von Suchmaschinenergebnissen und ihrem realen Wissen überprüfen, dann veranschaulicht das obige Bild vielleicht die Informationsflut der Zukunft. Wir werden Kreativität und Wissen nicht gänzlich verlieren, aber wir müssen unsere Augen und unseren Verstand schulen, kritischer hinzuschauen und Halluzinationen und Manipulationen von dem, was wirklich zählt, zu unterscheiden.

Ein praktisches Beispiel: laut statistischer Analyse ist dieser Artikel 100% menschengeschrieben. Keine KI. Das ist offensichtllich nicht richtig. Viel Technologie hat mir beim Erstellen dieses Artikels geholfen, auch beim Schreiben. Ich notierte. Ich sammelte. Recherchierte. Fügte alles zusammen und fragte die KI nach der Essenz und was davon relevant ist für Suchmaschinenoptimierung.

Der folgende Screenshot bezieht sich auf die ursprüngliche englische Versione dieses Artikels vor einer abschließenden Bearbeitung.

Verlasse dich nie auf KI. Verlasse dich nicht auf Zahlen.

Wir hätten Augen und Geist schon viele früher kritisch üben sollen.

Aber es ist nicht zu spät!

Bleibt kreativ, schaut, lest, beobachtet und bleibt immer aufgeschlossen!