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UX-Fail: Wo ist der Content geblieben?

Eine Galerie unpraktischer Webseiten, eine Analyse, was mich konkret an ihrer Usability stört und wie es dazu kommen konnte.
Als ich neulich nach längerer Pause ein großes soziales Netzwerk aufrief, konnte ich es kaum glauben… Nach diesem Teaser sollte ich jetzt vermutlich den „mehr lesen“- Link einfügen, schließlich darf der Content bloß nicht zu einfach erreichbar sein.

Im Ernst: warum sind so viele große und durchaus erfolgreiche Seiten so benutzerunfreundlich? Halte nur ich es für schlechtes UX-Design? Bin ich bloß zu alt geworden?

Eine Galerie unpraktischer Webseiten und eine Analyse, was mich konkret an ihrer Usability stört und wie es dazu kommen konnte.

Verschwendeter Raum, verdeckter Inhalt

So viel Platz auf dem Bildschirm, und so wenig Platz für den Content? Texte und Wörter werden unnötigerweise abgeschnitten und mit Pünktchen gekürzt. Scrollbars, Links zu weiterführenden Seiten. Dabei wäre genug Platz gewesen, das (für mich) wesentliche auf den ersten Blick ungekürzt darzustellen.

Besonders fies ist die Illusion of Completeness: es gäbe zwar etwas zu scrollen, aber aus Designgründen dürfen die Scrollbars nicht auf den ersten Blick sichtbar sein.

Warum?

Gibt es gute Gründe für solch ein Design? Zumindest gibt es Ursachen.

Werbung

Ist die Werbung wichtiger als der Content? Geld verdienen ist immerhin ein legitimer Grund, seine Webseiten zu verschandeln, aber auch das ginge eleganter. Affiliate Links, Advertorials, kontextbezogene Anzeigen statt Retargeting bereits gekaufter Produkte.

Jeremy Keith schrieb kürzlich, dass die aktuell übliche Third-Party-Werbung nicht nur die Ladezeit und den Datenschutz beeinträchtigt, sondern auch erstaunlich erfolglos ist.

Politik

Erkämpfen wir als engagierte Netzaktivisten unsere Bürgerrechte, setzt die Politik sie gerne auf eine Weise um, die geringen Nutzen mit großer Unbequemlichkeit verbindet. Klar, hier geht es um DSGVO und Cookie-Hinweise.

Call to Action?

Was wollt ihr mit euren Internetauftritten erreichen? Selbst Online-Shops, die scheinbar das einfache Ziel haben könnten, ihre Kunden einfach, schnell und ungestört zur Kasse zu bringen, lenken ab. Ich suche ein Produkt in einer Suchmaschine, werde fündig, klicke auf einen Link, sehe kurz das gewünschte Produkt, dann poppt ein Kästchen auf, das mich zur Anmeldung eines Newsletters auffordert. Und weil Maschinen dumm sind, passiert das natürlich auch dann, wenn ich schon Stammkunde und Leser bin, bloß zufällig im aktuellen Browser nicht angemeldet und daher wie ein Neukunde angesprochen werde.

Schlimmer sind (a)sozialen Netzwerke. Sie erscheinen mir wie Wimmelbilder voller konkurrierender Aufforderungen. Werbung, Stories, vorgeschlagene Trends und Themen, und meist ist nichts davon gerade relevant für mich.

Stockholm-Syndrom

Antipatterns zwecks Kundenbindung? Das Möbelhaus IKEA wurde für kluges Marketing gelobt, weil die nötige mühevolle Mitarbeit („Mach dir Notizen! Finde das Regal!“) die Kunden scheinbar spielerisch einbezieht. Das nötige Engagement und der stolz auf die erreichte Leistung erhöhen angeblich die Kundenbindung.

Für mich klingt das eher nach Stockholm-Syndrom bzw. Sunk-Cost-Fallacy.

Minimalismus?

Eleganz und Minimalismus? Fehlanzeige!

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