Recht auf Vergessenwerden

Der Artikel „Recht auf Vergessenwerden“ von Ingo Steinke erschien erstmals im November 2014 im MCG-Brief des Marie-Curie-Gymnasiums Düsseldorf.

Was viele Schüler sehr gut können, das fällt dem Internet ziemlich schwer: das Vergessen.

Täglich werden viele Daten gesammelt und hochgeladen. Das Wissen der Menschheit wächst, Schwarmintelligenz und Big Data machen uns immer schlauer, und das gewonnene Wissen wird nur im Dienste der Allgemeinheit verwendet. So könnte die schöne neue Welt sein, aber bekanntlich verhält es sich in Wirklichkeit ein bisschen anders.

Wahr ist, dass sehr viele Daten erfasst und hochgeladen werden. Firmen, Geheimdienste und Kriminelle beobachten uns und können unsere Daten in ihrem Interesse nutzen. Wissen ist Macht, und diese Macht kann auch gegen denjenigen verwendet werden, über den man viel weiß.

Wieviel tatsächlich über einen Menschen gespeichert wird, wollte der Politiker Malte Spitz ganz genau wissen. Er forderte von Firmen wie Facebook Berichte über die gespeicherten Daten. Seine Recherchen sind als Buch mit dem Titel „Was macht ihr mit meinen Daten“ erschienen.

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Dystopien und fantastische Literatur als Gesellschaftskritik

Dystopie ist die neue Utopie. Ob Jugendbuch, Science-Fiction oder Near Fiction, es werden düstere Welten entworfen, die Faszination und Grauen auslösen. Bei aller enthaltenen Gesellschaftskritik bleibt es Unterhaltung, nach deren Konsum man sich freuen kann, dass die Realität ja bei weitem nicht so schlimm aussieht wie die düstere Zukunftsvision.

The Divergent (Wikipedia)

Aktuelle Beispiele sind die populären Kinofilme Tribute von Panem, In Time oder die jüngst verfilmte Jugendbuchreihe The Divergent (Die Bestimmung).

Wer sich Zeit zum lesen nimmt, findet weitere interessante Jugend- bzw. All-Age- sowie Erwachsenenliteratur zum Thema.
Der Roman Drohnenland von Tom Hillenbrandt ist ein Near-Future-Krimi mit vielfältigen Seitenhieben auf die moderne Technik aber auch auf die politische Entwicklung Europas und dessen Bedrohung durch Cyberkriminalität, Klimawandel, Bürokratie und Geldgier.
Die österreichische Autorin Ursula Poznanski begeistert mit intelligenten Krimis und Jugendbüchern, u.a. mit den Jugenbüchern Layers, Erebos und der dystopischen Science-Fiction-Trilogie Die Verratenen / Die Vernichteten. In eine ähnliche Richtung bewegt sich die vielbereiste Jugendbuchautorin Teri Terry, die in ihrer Trilogie eine gar nicht mal allzu unrealistische Zukunft des britischen Königreichs entwirft.

Buchcover: The Circle von Dave Eggers (Wikipedia)

The Circle von Dave Eggers ist eine Satire auf die besitzergreifende Macht der Sharing Economy, deren Streben nach einer digitalen Utopie mehr und mehr totalitäre Züge annimmt.

Zu den älteren Science-Ficiton-Klassikern,, die kaum an Aktualität eingebüßt haben, zählt unter anderem der mehrfach verfilmte surrealistische Roman Solaris des polnischen Autors Stanislaw Lem.

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Frei statt nur kostenlos: Open Source Software

„Was nichts kostet, ist auch nichts,“ hieß es früher. Kostenlos oder unschlagbar billig werden heute viele Dienstleistungen angeboten, doch meistens hat die Sache einen Haken: teure Abofallen, Datensammelwut, Abhängigkeit von großen Konzernen sind oft der Preis für die verlockenden Angebote. Anders verhält es sich bei der gemeinnützigen Open Source Software: satzungsgemäß bleibt sie im Besitz der Allgemeinheit und jeder ist frei, die Funktionsweise zu studieren oder eine eigene Version einer Software zu betreiben und zu entwickeln.

Wer seine Daten und Geräte unabhängig von Wirtschaft und Staat betreiben möchte, findet mit Open Source Software Alternativen zu den bekannten kommerziellen Lösungen: Der Kartendienst Open Street Maps, das bekannte Online-Lexikon Wikipedia, die Suchmaschine MetaGer, die Betriebssysteme Linux (z.B. Ubuntu Linux für PC/Laptop) und LineageOS (freie Android-Variante für Smartphone/Tablet), der Android-App-Store f-droid, der Browser Firefox sind nur einige von vielen Beispielen. Dazu muss man kein Technik-Profi sein, konkrete Anleitungen in der Fachpresse helfen auch interessierten Laien, siehe z.B. Android geht auch ohne Google (heise.de).

Auch Betrieb und Analyse von Websites und Online-Shops ist ohne internationale „Datenkraken“ möglich: Anstelle des beinahe allgegenwärtigen Google Analytics liefert die Open-Source Web-Analytics-Software Piwik direkt auf dem eigenen Server Auswertungen und Analysen zu Besucherströmen und Käuferverhalten.

Smart Cities, Verkehrswende und Datenschutz

Aktuelles Beispiel in der Datenschutzdebatte ist die Zukunft unserer Infrastruktur. „Smart Cities„, „Smart Home“ und elektronische Medizintechnik wecken gleichermaßen Hoffnungen und Befürchtungen. Moderne, lebenswerte Städte ohne Stau und ein langes, gesundes Leben erhoffen wir uns dank Vernetzung und künstlicher Intelligenz, jedoch wird dabei oft die natürliche Intelligenz (das eigene Gehirn) ausgeschaltet und die Herausforderungen bezüglich Datenschutz und Sicherheit vergessen. Technologischer Fortschritt ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug dessen sich die Menschen bedienen können.

„Die Stadt der Zukunft ist keine Frage von „smart city“-Technologie, sondern von Intelligenz vor Ort,“ schreibt Martin Randelhoff im Blog Zukunft Mobilität.

Creative and Smart City (Wikipedia)
Creative and Smart City (Wikipedia)

 

Die Datenschutzdebatte ist inzwischen auch bei den Vorreitern von „Big Data“ angekommen. So beschäftigt das, oft als „Datenkrake“ kritisierte Unternehmen Google in München ein eigenes Datenschutz-Team und fordert ihre Nutzer dazu auf, die Privatsphäre-Einstellungen zu nutzen, und Social-Media-Schwergewicht Facebook gibt in großen Werbeanzeigen Nachhilfe in Sachen Medienkompetenz. Die Verkehrswende bleibt jedoch weiterhin ein unerfüllter Traum. Täglich stehen Millionen Pendler im Stau und viele denken beim Thema Verkehrswende vor allem an Elektromobilität, Drohnen, Lufttaxis und Raketen. Wichtiger wäre aber, den vernachlässigten Ausbau von Bahnstrecken und Radwegen nachzuholen und die bestehende Infrastruktur vor dem weiteren Verfall zu schützen. Das funktioniert im Übrigen auch mit bestehenden Mitteln und ganz ohne Technologie aus Amerika und Fernost.

Nachdem die ersten Schritte in Richtung „Smart Home“ von „digital naiven“ buchstäblich Tür und Tor für Hacker geöffnet haben (u.a. mit unverschlüsselten Passwörtern bei elektronischen Türschlössern), muss die weitere Digitalisierung der Gesellschaft professionell betrieben werden, anonsten wird sie besonders in Deutschland weiterhin auf große Skepsis stoßen.