Construction site figures
Wer war der Künstler?

Unvollendete Arbeit im Entstehen: Baustellen.

Unvollständige Notizen und Ideen: dieser Blogbeitrag.

Kunst ohne Urheberangabe: auf der rechten Seite.

Orange warning lights, steel fence and wood at a construction site scaffold
Eine Baustelle.

Baustellenästhetik

Notizen für einen Blogbeitrag: Baustellige Klischees im Realitätscheck: Warum immer schon früh morgens so laut? Ist Baustellenästhetik die wahre Urban Art der Gegenwart? Wenn eine Baustelle eine Installation wäre, wer wären die Künstler? Die Architekten? Die Arbeiter? Die Stadt? Die Zeit?

Visuelle und akustische Beobachtungen

Warum dieser Beitrag? Und warum jetzt?

Nun ja, jeder Mensch, zumindest in Berlin, kennt anscheinend gerade laufende unbeendete Bauarbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft oder auf dem Heimweg, oder an der Bahn oder Autobahn auf dem Weg zu arbeit.

Ich werde müde am Schreibtisch

Mein Blog begann ja als „Notiz-Blog“. Zunächst notierte und veröffentlichte ich kurze, unzusammenhängende und experimentelle Kritzeleien, vor allem für mein späteres ich, bevor ich kürzlich, getrieben vom allgegenwärtigen Social-Media-Marketing und Content-Creation-Ambitionen mancher meiner Freunde, Geschäftspartner, und vieler anderer Blogger und Content Creators, meinen Blog-Content zu professionalisieren begann. Vielleicht auch um Suchmaschinenmarketing zu lernen und zu verbessern.

Wenn ich am Schreibtisch saß wurde ich schließlich neidisch auf Bauarbeiter.

Nicht wirklich. Ich möchte ehrlich nicht ihre Arbeit machen. Ich bezweifle dass ich es überhaupt könnte.

Kein echter Neid, aber …

Aber immerhin haben sie Jobs und Projekte. Unvollendetes Business. Derweil, oben an meinem Schreibtisch, zwischen Marketing und Prokrastination, habe ich langsam nicht mal mehr Lust, qualitativ hochwertige Inhalte zu erstellen. Es macht mehr Spaß, die Regeln und Empfehlungen zu missachten. Da mache ich lieber Automatic Writing oder wie auch immer das heißt. Dieser Post ist ein solcher Stilbruch. Oulipo, unvollendete Sätze und … war ein anderes Beispiel.

Das unrentabelste und angeblich wertloseste, was man tun kann, ist, über unabhängige Künstler zu schreiben und sich dabei die Mühe zu machen, Credits zu geben. Das bringt dir vielleicht ein bis zwei neue Follower, ein Like pro Bild und Artikel, und das war’s. Algorithmen mögen keinen Long-Tail-Content.

Im übrigen werde ich (es) buchstäblich müde. Müde von einem Bürojob, der durch KI und Kosteneinsparungen infrage gestellt wird, und müde nachdem ich zu spät ins Bett kam und morgens zu früh wach wurde, geweckt vom Daily Standup der Bauarbeiter. Warum müssen ihre lautesten Tätigkeiten immer schon zum Schichtbeginn stattfinden? Können die ihre Farbeimer nicht vor Feierabend aufräumen? Es macht allerdings eigentlich keinen großen Unterschied. Wenn sie wieder weg sind, dann gibt es immer noch die Müllabfuhr, die jeden Morgen zwischen sieben und acht Uhr Lärm macht.

Construction site with a preview of the finished building
Vorschaubild: Versprechen oder Drohung?

Süße Sandkästen vs. Hässliche Architektur

Ironischerweise sind es zwar die Baustellen, die vorgeblich die Harmonie stören, aber viele fertiggestellte Gebäude sehen nicht besser aus, bloß glatter und lebloser. Tote Städte, wie ich die Band The Future Sound of London in meinem Blogbeitrag über das Wandeln im Licht der Nacht, den Fuchs in Berlin und Kältestrahlen-Fotografie zitierte.

Anders als das „hässliche Entlein“, das sich in einen eleganten Schwan verwandelt, oder die kriechende Raupe, aus der ein flatternder Schmetterling wird, wimmeln Baustellen zunächst von Erwachsenen, die sich im Sand schmutzig machen, um öde Betonwüsten zurückzulassen, sobald die Arbeiter abgezogen sind. Die hässlichen Häuser, die der Sänger Celentano Jeckyll und Hyde zuschrieb, stehen immer noch. Seitdem wurden viele neue gebaut. Hinweis: Ich habe die Umsetzung Bildes rechts noch nicht gesehen. Vielleicht ist es ja echt schön geworden. Nimm es jedenfalls bitte nicht persönlich, falls das dein Haus sein sollte.

Viele Menschen lieben Baustellen. Kinder spielen im Sandkasten mit Spielzeugbaggern, Kränen und Schaufeln. Erwachsene zaheln Eintritt, um echte Maschinen auf lebensgroßen Spielplätzen zu bedienen.

Ist Baustellenästhetik die wahre Urban(e) Art?

Baustellenästhetik und -Akustik

Gibt es die eine Baustellenästhetik (und -Akustik?) Wohl kaum. Gemeinsamkeiten gibt es: Absperrungen, blinkende Lampen, rot-weiß oder gelb-schwarz gesttreiftes Flatterband. Schilder. Werkzeug. Arbeitskleidung, wie sie manche Nichtbauerbeiter gerne als Skate- oder Freizeitkleidung tragen. Sicherheitswesten in leuchtenden Neonfarben, wie sie zeitweise auch auf Techno-Partys beliebt waren. Sicherheitsschuhe und Stiefel, die auch für Festivals und Rockkoznerte ideal wären. Ebenso der Gehörschutz.

Ähnlich liebevoll-ironisch würden wir auch den Klang von Baustellen den Worten feierfreudiger Anwohner beschrieben: Topfschlagen, Rühren, Bohren, Hämmern, Klappern, und vor allem: laut rufen. Fremdsprachige Flüche mögen Klischees sein, aber ohne Rufen gelingt wohl weder der Sport, noch die Bauarbeit.

Baustelle, Beruf, Fachkräfteparadoxon

Ja, dieser Text ist ironisch, aber mit einem wahren Kern liebevoller Bewunderung.

Wer ist verantwortlich, wenn Baustellen über Jahre Anwohner nerven um dann zu spät und zu teuer das inzwischen veraltete abzuliefern das längst niemand mehr braucht. Während ich diese Zeilen schreibe, werden gerade viele neue Büros und Gewerbeimmobilion gebaut, während bereits so viele leerstehen und bezahlbare Wohnungen fehlen. Vielleicht hat der Kapitalismus historisch über den Sozialismus gesiegt, aber Bürokratie und Korruption gibt es in allen Systemen, und der Markt regelt manches auch nicht besser als damals die Planwirtschaft.

Absurd und ärgerlich, in Zeiten von AI und Fachkräftemangel überhaupt eine einzige Minute mit der Erstellung und Optimierung des eigenen Lebenslaufs zu verschwenden, während draußen vor dem Fenster monatelang Tag für Tag die Bauarbeiter von morgens bis abends vollbeschäftigt schaffen. Umgekehrt denken sie vielleicht ähnlich über meinesgleichen. Warum werden Menschen oft so gut dafür bezahlt, mit digitalen Produkten, Programmierung und Textarbeit am Schreibtisch zu sitzen?

Dieses ganze, „Recruiter werden misstrauisch“ usw. kann ich, nebenbei bemerkt, echt nicht mehr hören. Fachkräftemangel? Faule Deutsche nicht fleißig genug? Dann darf der Bewerbungsprozess nicht am Perfektionismus scheitern! Marketing und Content Creation auch nicht! Versteht mich nicht falsch, ich will nicht meckern, sondern machen. Ich sitze am Schreibtisch und produziere digitale Artefakte, während vor meinem Fenster Menschen etwas bauen, das sichtbar in der Welt steht.

Baustellen zeigen den Prozess, den fertige Produkte verstecken. Warum akzeptieren wir Unfertigkeit im Stadtbild, aber nicht in der kreativen Arbeit?

Schaut mal wie schön kaputt und unverdeckt der folgende Abschnitt einen Blick unter die Oberfläche dessen erlaubt, was uns normalerweise verborgen bleibt. Minimal viable product, schön und gut, aber „under construction“ wird doch abgestraft. Algorithmen und AI mögen „Authentizität“ doch nur, wenn sie nicht wirklich stört.

Also mögen sie auch das hier?

Eine Straße, die zum Sandkasten wurde
Eine Straße, die zum Sandkasten wurde

<a href=“https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/06/PXL_20260215_150407915-1-scaled.jpg“><img class=“wp-image-8014 “ src=“https://www.open-mind-culture.org/wp-content/uploads/2026/06/PXL_20260215_150407915-1-1024×768.jpg“ alt=“Eine Straße, die zum Sandkasten wurde“ width=“404″ height=“303″ /></a> Eine Straße, die zum Sandkasten wurde

Wie mag ich es doch, mit scheinbar kaputten Web-Inhalten zu spielen!

Oh ja, diese Seite ist „under construction!“

404, weißt du?

Hahahaha!

Wer war der Künstler?

Artworks and the author
aus einem etwas anderen Winkel

Hier ist ein anderes Bild vom letztjährigen jährlichen Rundgang 2025 der Kunsthochschule Berlin Weissensee. Aus einem anderen Winkel fotografiert, kannst du mich hier im Hintergrund stehen sehen, zwischen den Baustellenfiguren, neben einem anderen, abstrakten, Kunstwerk, das an eine Papierskizze eines steilen Treppenhauses erinniert.

Wenn du weißt, wer das erschuf, schicke mir bitte eine Nachricht! Ich möchte gerne die Credits ergänzen.

Bitte beachte, dass dieser Beitrag mit Absicht leicht defekt aussieht.