Androgyne Modetrends wie beispielsweise transparente Stoffe oder enge, knappe und sehr figurbetonte Herrenmode die außerhalb queerer Kreise als unmännlich abgelehnt wurde, wurde später als androgyne Inspiration gefeiert. Der metrosexuelle Trend mit Make-Up for Men usw. wurde unter anderem vom populären Musiker Robbie Williams in die Schlagzeilen gebracht, beschränkt sich allerdings scheinbar für viele Firmen darauf, zusätzliche Kunden für ehemals nur weiblich vermarktete Produkte zu erschließen.

Ähnlich wie Diversity und Body Positivity aus Marketingsicht durch das Erscheinen eines curvy Models dunklerer Hautfarbe abgehakt zu sein scheint, sieht man(n) bei dekorativer Kosmetik inzwischen gelegentlich auch ein männliches Model das dezentes Makeup oder Lippenstift verwendet oder im Modebereich öfter als früher ein neues Schuck- oder Kleidungsstück konsumiert.

Alternative gesellschaftliche Initiativen werden somit schnell vereinnahmt, vermarketet und sozusagen gentrifiziert, allerdings oft auf eine so plumpe Art und Weise, dass das Vorhaben nicht nur lächerlich sondern geradezu unfreiwillig komisch erscheinen mag. Dennoch ist es natürlich zu begrüßen, dass sich überhaupt etwas verändert und neue Vorbilder (Role Models) und Lebensstile angeboten und akzeptiert werden.

Die langsame Akzeptanz vermeintlich weiblicher Modetrends für Männer und androgyner und Unisex-Looks komplettiert ohnehin eine Entwicklung die in der Vergangenheit ehemals männliche Dinge wie Hosen, Fußball oder das Bundes.kanzleramt für Frauen erschloss, wo wir aber auch immer noch weit davon entfernt sind, wirkliche Gleichberechtigung zu erfahren.

„Metrosexuelle“ Fußballer Beckham und Neymar in einem Daily-Mail-Artikel:

In den Chefetagen der großen Firmen sitzen oft alte weiße Männer in klassischen dunklen Anzügen mit Krawatten und weißen Oberhemden, deren klassische äußere Erscheinung genau ihrer rückwärtsgewandten Einstellung und Handlungsweise entspricht. Anzüge zu tragen ist, modisch betrachtet, Geschmackssache und kann sehr elegant und schön aussehen. Eine andere Einstellung wäre in diesem Fall sehr viel wichtiger als eine äußerliche Veränderung durch Unisex-Mode oder feminine Kleidung und Kosmetik.

Abgesehen davon wäre es vermutlich auch nachhaltiger, Sakkos und Hemden aus dem Fundus früherer Konzernmanager als Second-Hand-Mode zu tragen, anstelle bei Fast-Fashion- oder auch Recycling-Öko-Modelabels eine eng anliegende vegane Kunstlederhose zu kaufen.

Trotz allem ist „androgynen“ und „unisex“ noch lange kein Mainstream geworden. „Männlich, weiblich, divers“ schön und gut (und schon das bringt konservative Kritiker auf die Palme, allein schon die Tatsache dass überhaupt jemand wagt zu gendern oder die üblichen Toilettenschildchen infrage zu stellen), aber selbst die vermeintlich „alternativen“ ökologischen Labels sortieren ihre Jeans-Hosen fast ausschließlich in die üblichen binären „Männer“ und „Frauen“ Kategorien, als wäre sich jeweils alle Frauen und alle Männer, trotz ihrer unterschiedlichen Körperformen von skinny bis curvy, leptosom bis athlethisch, oder einfach „unförmig normal“ gleicher und vom anderen Geschlecht unterschieden.

Als schlanker Mann in der Provinz eine enge Hose zu kaufen ist praktisch unmöglich. In der Großstadt gehe ich zu Boggi Milano, auf dem Land gibt es Herrenhosen nur in Bauchgrößen ab Bundweite 32 Zoll aufwärts. Leute, was soll das? Vermutlich sind nur deshalb weite Retro-Hosen aus dem Second-Hand-Shop oder aus dem Jogginghosen-Fitness-Wellness-Sortiment inzwischen so populär geworden, weil es kaum figurbetonte Mode gibt, die tatsächlich irgendjemanden passt?